Besser entscheiden – Mit dem KAIROS-Entscheiderprofil©

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2010 erschienen die Ergebnisse der Studie „Decide & Deliver“, in der das Beratungsunternehmen Bain & Company 760 Unternehmen hinsichtlich der Effektivität ihrer Entscheidungsprozesse analysierte. Die Studie zeigte, dass nur jedes fünfte Unternehmen effektiv entschied. Wie definierte Bain & Company „effektiv entscheiden“? Die richtigen Beschlüsse fallen zügig mit vertretbarem Aufwand und werden planmäßig umgesetzt. Die Studie betonte weiter, dass in weniger effektiv entscheidenden Unternehmen sehr viel Zeit der Führungskräfte in Entscheidungsprozesse floss und gleichzeitig ein erhebliches Wachstums- und Ertragspotenzial verschenkt wurde.

Der Erfolg von Managerinnen und Managern wird an den Ergebnissen ihrer Entscheidungen festgemacht. Dabei wird häufig davon ausgegangen, dass diese frei in ihren Entscheidungen und unabhängig von der eigenen Organisation und bestehenden Strukturen sind. Realistischer ist aus unserer Sicht, immer zwei Dimensionen zu berücksichtigen, wenn man über das Thema „Entscheiden“ in Organisationen spricht: eine prozessual-strukturelle Dimension, also die Art und Weise, wie Entscheidungsprozesse in einem Unternehmen ablaufen, und die personenbezogene Dimension. Damit ist dann tatsächlich der Entscheider mit seinem individuellen Entscheidungsverhalten gemeint.

In den nachfolgenden Abschnitten stellen wir Ihnen ein Instrument vor, mithilfe dessen das persönliche Entscheidungsverhalten sichtbar gemacht und die Fähigkeit reflektierter Entscheidungsprozesse weiterentwickelt werden kann.

Die Entscheidung ist getroffen. Doch wie haben Sie sie getroffen?

Die Entwickler des KAIROS-Ent­­scheiderprofil© (Lanzenberger Management-Diagnostik/Sutrich Organisationsberatung) haben seit 2007 weniger die Entscheidungen an sich, sondern vielmehr die Wege dorthin interessiert. Was passiert im Vorfeld einer Entscheidung? Woran orientieren sich Führungskräfte beim Problemlösen?

Zu diesem Zweck wurden zahlreiche Gespräche und Interviews mit Führungskräften über ihre Herangehensweise an Entscheidungssituationen geführt sowie Beobachtungen in spezifischen Assessment-Situationen gesammelt. Dabei zeigten sich schnell unterschiedliche und vor allem individuelle Entscheidungsmuster, die von den einzelnen Personen vorrangig genutzt wurden und die ihren Entscheidungsstil prägten. Aufsetzend auf den so generierten Ergebnissen wurden die zentralen Verhaltensdimensionen im KAIROS-Entscheiderprofil© abgeleitet.

Das KAIROS-Entscheiderprofil© weist persönliche Verhaltenspräferenzen in Entscheidungssituationen aus, d.h. unser gewohnheitsmäßiges Entscheidungsverhalten, dessen wir uns selten bewusst sind, wird sichtbar gemacht. Das Wissen um die eigene Entscheidungspräferenz ist jedoch eine wichtige Voraus­setzung, um getroffene Entscheidungen und deren Ergebnisse zu reflektieren und möglicherweise Ableitungen für zukünftige Entscheidungssituationen zu treffen. Denn nicht immer ist das gewohnheitsmäßige, leicht von der Hand gehende Entscheidungsmuster ideal. Vielmehr geht es darum, im Bewusstsein der eigenen Vorlieben auch einmal anders an eine Entscheidung herangehen zu können.

Ein Beispiel: Dirk K. ist interner Berater in einem größeren Unternehmen und begleitet die Fachbereiche in spezifischen fachlichen Fragen. Ihm liegt sehr viel daran, Entscheidungen im Einklang mit seinen internen Kunden zu treffen und nachhaltige Lösungen gemeinsam zu entwickeln. Die internen Kunden sind in der Regel an schnellen und pragmatischen Lösungen interessiert. Das ist aus fachlicher Sicht nicht immer möglich. Für Dirk K. entsteht auf diese Weise eine Zwickmühle. Häufig sagt er in diesen Situationen zunächst „ja“, um seinen internen Kunden zufrieden zu stellen, revidiert dann jedoch später seine Zusage, weil er sie fachlich gesehen nicht halten kann und auch nicht wirklich richtig findet. Das führt immer wieder zu Ärger mit den internen Kunden und ihm selbst geht es mit der ganzen Situation nicht gut. Auf Basis seines Entscheiderprofils konnte er sich gezielt mit seinen Entscheidungspräferenzen auseinandersetzen, die Konsequenzen mit Blick auf seine Beraterrolle analysieren und mit dem KAIROS-Berater alternative Herangehensweisen erarbeiten. Es bleibt weiter schwer für ihn, mit dem Erwartungsdruck der internen Kunden umzugehen, aber er fordert jetzt öfter „Zeit zum Nachdenken“ ein, um das Thema gründlicher zu durchdenken und dann mit einem Lösungsangebot oder auch einer fachlich begründeten Absage ins nächste Gespräch zu gehen.

Die 8 Entscheidungsmodi und ihre Bedeutung

Insgesamt wurden acht Entscheidungsmuster und Problemlösungsstile definiert, die der Skala des KAIROS-Entscheiderprofil© zugrunde liegen. Jede der acht Entscheidungsmodi steht für sich, jedoch ergeben sich Korrelationen zwischen ihnen, die das Entscheidungsverhalten situativ prägen.

Ein Beispiel: Claudia S. ist Teamleiterin bei einem Messe-Veranstalter. Ihr Entscheiderprofil zeigt sehr hohe Ausprägungen in den Bereichen „Energisch“, „Pragma­tisch“ und „Kommunikativ“. Alle anderen Modi sind nur schwach ausgeprägt. Das würde bedeuten, dass Claudia S. in ihrem gewohnten Entscheidungsverhalten tatkräftig, pragmatisch und menschenorientiert agiert. Sie entscheidet schnell, will aber die Menschen für ihren Weg gewinnen, und ist möglicherweise bereit, dafür auch Kompromisse zu machen. Die Nachhaltigkeit der gefundenen Lösungen und auch mögliche Folgen sind für sie zweitrangig. Sie vertraut darauf, dass sie bislang immer schnell eine Lösung gefunden hat, wenn es Probleme gab.

Die Interpretation des Entscheiderprofils ist Gegenstand des Auswertungsgesprächs zwischen dem Klienten und dem zertifizierten KAIROS-Berater. Dabei wird das Entscheiderprofil immer im Kontext der beruflichen Aufgabe gesehen, um praktikable Hinweise und Verbesserungen für das eigene Entscheidungsverhalten zu erarbeiten: Was geht gut mit Blick auf die Rolle als interner Berater am Beispiel von Dirk K.?  Welche Entscheidungssituationen sind hingegen schwierig für ihn? Wie hilfreich ist das gewohnheitsmäßige Entscheidungsmuster von Claudia S. in der Rolle als Führungskraft und in Beratungssituationen mit Messe-Kunden?

KAIROS-Entscheiderprofil

Der internetbasierte Test besteht aus 112 Items. Die Bearbeitungszeit liegt in der Regel zwischen 15 und 20 Minuten. Zusammen mit der Ergebnisgrafik erhält die Testperson ein erläuterndes Handout. Aus Gründen der Qualitätssicherung und praktikablen Anwendung wird der Test nur von zertifizierten Beratern und in Verbindung mit einem ca. 1,5-stündigen Auswertungsgespräch angeboten.

Wie können Sie das KAIROS-Entscheiderprofil© gewinnbringend einsetzen?

  • In der Ausbildung von Führungskräften und Fachspezialisten bietet KAIROS wichtige Impulse und Anregungen, um sich erstmalig mit dem wichtigen Thema Entscheiden und dem eigenen Entscheidungsverhalten im Kontext der aktuellen Aufgabe zu beschäftigen.
  • Für erfahrene Führungskräfte entsteht im Rahmen einer Weiterbildung die Möglichkeit, sich strukturiert und zielgerichtet mit dem eigenen Entscheidungsverhalten auseinanderzusetzen. Auf Grundlage der praktisch gesammelten Erfahrungen in Entscheidungssituationen und mit den erzielten Ergebnissen wird die Ableitung von persönlichen Optimierungspotenzialen möglich.
  • Auch im Individual-Coaching ist das persönliche Entscheiderprofil eine wertvolle Unterstützung bei der Auswertung und Reflexion von schwierigen beruflichen Situationen, getroffenen Entscheidungen und deren Resultaten. Wie hilfreich war die gewählte Vorgehensweise? Welche Handlungsoptionen wurden vielleicht von Anfang an ausgeschlossen? Wäre eine andere Vorgehensweise für zukünftige, vergleichbare Entscheidungssituationen sinnvoller?
  • Die erfolgreiche Gestaltung komplexer Entscheidungssituationen erfordert die Nutzung unterschiedlicher Fähigkeiten. Das KAIROS-Entscheiderprofil© bietet eine neue Herangehensweise an die personelle Zusammenstellung von Entscheider- und Projekt-Teams. Wer bringt welche Stärken ein? Welche Schwachstelle unter dem Blickwinkel „Entscheiden“ könnte ausgeglichen werden, indem man Person XY ins Entscheider-Team holt?
  • Das Thema „Unsere Entscheidungskultur“ in den Mittelpunkt von Teamentwicklungen zu stellen, bietet einen neuen Ansatz für die Weiterentwicklung der Zusammenarbeit in neuen und bestehenden Teams. Im Tagesgeschäft, insbesondere unter Zeitdruck und Ressourcenengpässen, kann es schnell zu Spannungen und Uneinigkeit hinsichtlich der richtigen Vorgehensweise kommen. Die persönlichen Entscheiderprofile der Teammitglieder können als Teamprofil dargestellt werden, das mit Blick auf die Team-Aufgabe Stärken und auch mögliche Schwächen des Teams aufzeigt. Die Teammitglieder entwickeln während der Auswertung mehr Verständnis für die unterschiedlichen Herangehensweisen der einzelnen Teammitglieder und können deren spezifischen Mehrwert würdigen.

Weitere Informationen über das KAIROS-Entscheiderprofil© finden Sie auch auf unserer Homepage!

Über den Autor

Dr. Susanne Eckel

Susanne Eckel ist Associate Partner der grow.up. Managementberatung und als Trainerin, Beraterin und Coach im Einsatz. Sie war 15 Jahre lang klassisch angestellt, hatte in verschiedenen Firmen, Hierarchiestufen und Aufgabenbereichen gearbeitet, bis sie schließlich zu grow.up. und in die Beratung wechselte.

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