Die 10 Gebote des guten Zuhörens

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Stellen Sie sich vor, Sie sind in einem Gespräch und Ihr Gesprächspartner schaut nebenher Unterlagen durch oder liest Nachrichten auf seinem Smartphone. Würden Sie sich ernst genommen fühlen? Hätten Sie das Gefühl, Ihr Gesprächspartner hört Ihnen zu? Wahrscheinlich nicht. Die Folge daraus ist, dass Sie sich nicht öffnen werden und kein Interesse an der Vertiefung des Gesprächs haben werden. Genau so ergeht es Ihren Mitarbeitern, wenn Sie sich keine Zeit für sie nehmen und ihnen nicht richtig zuhören, weil Sie in Gedanken mit anderen Dingen beschäftigt sind.

Hören Sie richtig zu?

Versuchen Sie einmal durch Selbstbeobachtung herauszufinden, wann Sie in einem Gespräch richtig zuhören und wann Sie mit Ihren Gedanken woanders sind. Die folgenden Fragen helfen Ihnen dabei, Ihr Zuhör-Verhalten zu reflektieren:

  • Zeigen Sie volle Aufmerksamkeit, halten Sie den Blickkontakt?
  • Lassen Sie Ihren Gesprächspartner aussprechen, zeigen Sie Zurückhaltung?
  • Lassen Sie Schweigen und Pausen zu?
  • Verwenden Sie verstärkende Äußerungen, ermuntern sie den Gesprächspartner zum Erzählen?
  • Greifen Sie Inhalte indirekt auf? Vertiefen Sie sie? Fragen Sie nach?
  • Sind Sie vorsichtig bei Interpretationen? Spiegeln Sie zur Absicherung?
  • Wiederholen Sie Verstandenes?
  • Fragen Sie bei Unklarheiten sofort nach, bis Sie den Gesprächspartner richtig verstanden haben?

Wer redet, sät, und wer hört, erntet. (aus Argentinien)


Was genau bedeutet „aktiv zuhören”?

„Aktiv zuhören” bedeutet, dass, wenn Sie in einem Gespräch Fragen stellen, Sie auch deutlich machen müssen, dass Sie eine Antwort erwarten und sehr daran interessiert sind.

Aktives Zuhören ist das Einfühlen, Aufnehmen und Widerspiegeln der gehörten Informationen, um Missverständnissen vorzubeugen sowie Themen und Gesprächspartner wirklich zu verstehen. Tun Sie dies nicht, öffnet sich Ihr Gesprächspartner nicht und ist ebenso wenig bereit, Gründe und Zusammenhänge zu suchen oder zu nennen.

Beherzigen Sie deshalb:

Die 10 Gebote des guten Zuhörens

  1. Nicht sprechen – man kann nicht zuhören, wenn man spricht.
  2. Den Gesprächspartner entspannen. Zeigen Sie ihm, dass er frei sprechen kann. Schaffen Sie eine erlaubende Umgebung.
  3. Zeigen Sie, dass Sie zuhören wollen. Zeigen Sie Interesse. Schauen Sie z. B. während des Gesprächs nicht auf Ihr Handy. Zuhören dient dem Verstehen.
  4. Stellen Sie sich auf den Partner ein. Versuchen Sie sich in seine Situation hinein zu versetzen, damit Sie seinen Standpunkt verstehen.
  5. Zeigen Sie Geduld und nehmen Sie sich Zeit. Unterbrechen Sie Ihren Gesprächspartner nicht – seien Sie nicht „auf dem Sprung“.
  6. Beachten Sie Ihre eigenen Emotionen – wenn Sie sich ärgern, interpretieren Sie die Worte Ihres Gegenübers eventuell falsch.
  7. Lassen Sie sich durch Vorwürfe und Kritik nicht aus dem Gleichgewicht bringen. Erst zuhören, ggf. fragen und dann erst argumentieren.
  8. Nehmen Sie keine Ergänzungen vor.
  9. Die inneren Zusammenhänge ggf. durch Nachfragen erfassen.
  10. Nicht sprechen! Dieses ist das erste und letzte Gebot, weil alle anderen Gebote davon abhängen.

Vermeiden Sie klassische Fehler beim Zuhören!

Die nachfolgenden Beispiele sollen Ihnen helfen, Ihr Bewusstsein dafür zu schärfen, wie schnell ein Gespräch z. B. durch eigene, vorschnelle Wertungen in eine falsche Richtung laufen kann:

  • Das Zuhören wird als lästige Pflicht absolviert. Dem Gesprächspartner entgeht aber Ihr Desinteresse hinter der zur Schau getragenen Aufmerksamkeit nicht.
  • Die Form der Darbietung wird überbewertet. Wenn der Gesprächspartner trocken, langweilig oder im Dialekt spricht, kann das schnell negativ auf die Einschätzung des Gesprächsinhaltes einwirken. Häufig findet man auch das Gegenteil: Die Äußerungen von redegewandten, wortreichen „Blendern“ werden höher bewertet.
  • Es wird zu schnell ein Urteil über das Dargestellte gefällt, man wartet gar nicht ab, bis der andere ausgesprochen hat, sondern bereitet schon Gegenargumente und Ausflüchte vor. Dabei übersieht man den roten Faden, der sich durch die Argumentation zieht und der das eigentlich Wichtige ist.
  • Bei schwieriger Materie wird abgeschaltet – man macht sich nicht die Mühe, den Gedanken des anderen zu folgen.
  • Die Meinung über Gesprächspartner oder -gegenstand ist schon vor dem Gespräch gebildet und unabänderlich.
  • Das Mitgeteilte wird vorschnell als uninteressant abgetan. Dadurch beraubt man sich der Möglichkeit, wichtige Vor- bzw. Hintergrundinformationen zu erhalten.
  • Der Zuhörer betont seine Überlegenheit durch Gesten etc.

Aktives Zuhören ist das effektivste Mittel, Ihre Kommunikation insgesamt zu verbessern. Sie zeigen Ihrem Gegenüber, dass Sie es wichtig und ernst nehmen und gewinnen so sein Vertrauen und Sympathie. Denn genau das ist notwendig, um die Beziehung zu Mitarbeitern, Kollegen, Ihrem Chef oder Kunden aufzubauen oder zu stärken.

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Über den Autor

Michael Lorenz

Michael Lorenz ist Gesellschafter und Geschäftsführer der grow.up. Managementberatung. Er arbeitet in seiner Funktion als Managementberater, Trainer und Coach. Vorher war er Geschäftsführer und Partner der Kienbaum Management Consultants GmbH und leitete den Geschäftsbereich Human Resources Management. Seit 1988 berät Michael Lorenz nationale und internationale Kunden in Fragen der Strategie, der Personalentwicklung und der Management-Diagnostik.

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