Die 4-Tage-Woche oder der 6-Stunden-Tag – Vision oder zunehmende Realität?

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Der Traum vieler Arbeitnehmer – ab Donnerstagabend Wochenende. Als Alternative hätte ich noch einen 6-Stunden-Arbeitstag im Angebot. Klingt das nicht verlockend?

Was ist wirklich dran am Konzept „weniger arbeiten“? Kommen die Arbeitgeber damit nur den Wünschen der Arbeitnehmer entgegen? Muss nicht mit enormen geschäftlichen Einbußen gerechnet werden? Einige Präzedenzfälle beweisen anscheinend das Gegenteil: Zufriedenere Mitarbeiter, weniger Krankschreibungen (Wir werden immer kränker!) und erhöhte Produktivität. Das sollte doch eigentlich nach Musik in den Ohren eines jeden Arbeitgebers klingen!?

In dem Start-Up „BikeCitizens“ gibt es die 4-Tage-Woche wirklich (Link zum Originalartikel). Und ich spreche hier von einem österreichischen Start-Up und nicht vom Silicon Valley! Der Mitgründer Andreas Stückl sagt, dass sich das Prinzip nach einer Testphase von drei Monaten bewährt hat: Die Mitarbeiter waren weniger krank, kamen motivierter zur Arbeit und würden den Arbeitgeber nicht so schnell verlassen (was in der Start-Up-Branche häufig der Fall ist). Bereits 2014 berichtete das Forbes-Magazin über den Nutzen einer 4-Tage-Woche. Auch hier nennt die Autorin die Vorteile der erhöhten Produktivität.

Auch im Magazin „TechInsider“ berichtet Nate Reusser, Inhaber einer Web-Entwicklungs-Firma, dass zwar die Arbeitsstunden von Montag bis Donnerstag etwas nach oben gegangen sind, aber die Produktivität und das Engagement der Mitarbeiter so hoch sei wie nie zu vor.

Das allerdings wiederspricht ein wenig dem anderen Konzept – dass es keiner 8-Stunden-Tage mehr Bedarf, da die Produktivität nach bereits 5-6 Stunden sinkt (Harvard Business Review). Auch Finanzen.net und Business Insider berichten über das Vorbild Schweden, wo in einigen (wenigen) Firmen der 6-Stunden-Tag eingeführt wurde. Teilweise mit Erfolg (mehr Produktivität, glücklichere Mitarbeiter) und teilweise mit weniger Erfolg (zu hohe Kosten – zumindest bei einer Stundenreduzierung und gleichbleibendem Gehalt). Maddy Savage (gebürtige Engländerin, wohnhaft in Schweden) sagt allerdings im Spiegel, dass dieses Thema medial überstrapaziert wäre und nur wenige Firmen den 6-Stunden-Tag erfolgreich eingeführt hätten.

Es gibt also Praxisbeispiele, in denen die Konzepte „4-Tage-Woche“ und „6-Stunden-Tag“ sehr gut funktionieren und auch Gegenbeispiele, in denen die Kosten zu hoch waren oder die es gar nicht erst probiert haben. Doch scheinbar ist ein gewisser Effekt (und zwar immer der Gleiche: höhere Produktivität, höhere Motivation) nicht abzusprechen.

Da für mich persönlich auch dieses Thema zu „New Work“ gehört, sehe ich auch hier keine Patentrezept-Lösung. So wie bei vielen (wenn nicht fast allen) „New Work“-Themen! Jede Firma, jede Branche, jedes Land hat seine Eigenheiten und Besonderheiten und erfordert daher auch individuelle Lösungen, wie sie selbst mit veränderten Arbeitswelten umgehen sollen. Gerade bei der Modernisierung der Arbeitskultur und -welt ist das Gießkannen-Prinzip absolut fehl am Platz. Zukünftig wird es mehr Beratung und Coaching auf Augenhöhe mit den Firmen geben müssen – erwartet wird von Dienstleistern wie uns immer mehr eine Diskussion mit unseren Kunden: Wie können wir gemeinsam das Pflaster von „New Work“ begehen?

Wie sieht es bei Ihnen aus? Wann stellen Sie sich den Herausforderungen der heutigen Arbeitswelt? Als Sparringspartner steht die grow.up. Managementberatung Ihnen gerne zur Verfügung – für mehr individuelle Beratung auf Augenhöhe. Für individuelles Coaching. Eben für Sie – und nicht ein anderes „Best Practice“.

Über den Autor

Christoph Kurtzmann

Christoph Kurtzmann ist Berater, Trainer und Coach bei der grow.up Managementberatung. Nach seinem Wirtschaftspsychologie-Studium in Köln und Iserlohn (B.A. und M.Sc.) und seiner Weiterbildung als zertifizierter Business Coach arbeitet er seit 2015 bei grow.up. Vorherige berufliche Stationen waren MHP – A Porsche Company, AGRAVIS AG, Apple Retail GmbH und die Pfleiderer AG.

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