Die 4 Zimmer der Veränderung – Was brauchen meine Mitarbeiter, was kann ich tun?

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Veränderungsmanagement beinhaltet vor allen Dingen die Aufgabe, die Mitarbeiter in allen Phasen (Zimmern) der Veränderung zu verstehen und ihnen die notwendige Unterstützung zu geben, sodass sie nicht auf der Strecke bleiben. Im ersten Teil haben wir daher geklärt, was die 4 Zimmer der Veränderung bedeuten und wie Sie Ihren eigenen Standpunkt und den Ihrer Mitarbeiter bestimmen können.

Nachfolgend geben wir Ihnen Fragestellungen und konkrete Handlungsempfehlungen an die Hand, mit deren Hilfe Sie Ihren Veränderungsprozess gemeinsam mit Ihren Mitarbeitern erfolgreich bewältigen können.

Die Ruhe vor dem Sturm – Das Zimmer der Zufriedenheit

Woran erkennen Sie Menschen im Zimmer der Zufriedenheit?

Im Zimmer der Zufriedenheit herrscht eine gute und produktive Stimmung. Alles läuft nach Plan und die Menschen sind stolz auf ihre Kompetenz und ihre guten Leis-tungen. Die Menschen strahlen außerdem eine Selbstsicherheit und gegebenenfalls sogar eine gewisse Selbstgefälligkeit aus, da sie sich aufgrund der Routine und den erreichten Erfolgserlebnissen in Sicherheit wägen. Vielleicht werden Sie in diesem emotionalen Zustand auch etwas bequem.

Welche Bedürfnisse, Interessen und Emotionen stecken dahinter?

Die Menschen fühlen sich wohl in ihrem stabilen Umfeld und genießen das Gefühl der Sicherheit. Sie mögen die angenehme und auch bequeme Arbeitsatmosphäre.

Was brauchen Mitarbeiter im Zimmer der Zufriedenheit? Wofür können Führungskräfte sorgen?

Mitarbeiter brauchen im Zimmer der Zufriedenheit Lob und Anerkennung für ihre geleistete Arbeit und das Gefühl von Sicherheit. Sorgen Sie als Führungskraft dafür, dass das stabile Arbeitsumfeld bestehen bleibt. Gleichzeitig ist es wichtig, dass die Mitar­beiter sich nicht zu sehr auf ihren Lorbeeren ausruhen. Motivieren Sie die Mit­arbeiter ihre eigene Weiterent­wicklung voranzutreiben im Sinne eines kontinuierli­chen Verbesserungsprozesses. „Fordern und fördern“ lautet hier die Devise. Regen Sie Ihre Mitarbeiter an die aktuelle Situation zu hinterfragen, um Verbesserungspotenzial zu erkennen. Nehmen Sie Ideen offen auf und prüfen Sie deren Umsetzbarkeit. Fördern Sie bei den Mitarbeiten die Offenheit und das Bewusstsein für die Außenwelt, indem Sie auch eine Vision formulieren, in welche Richtung es zukünftig gehen soll.

Wie können Führungskräfte im Zimmer der Zufriedenheit ein Vorbild sein?

Führungskräfte sollten gegenüber ihren Mitarbeitern zuverlässig und authentisch sein und eine ge­wisse Ruhe und Gelassenheit ausstrahlen. Pflegen Sie eine offene Feedbackkultur. Holen Sie sich aktiv Feed­back ein und nehmen Sie Kritik von Ihren Mitarbeitern an. Zeigen Sie selbst Verände­rungsbereitschaft, indem Sie Ideen der Mitarbeiter honorieren und diese versuchen umsetzen.

Veränderung? Nein danke! – Das Zimmer der Verleugnung

Woran erkennen Sie Menschen im Zimmer der Verleugnung?

Die Menschen wollen sich nicht mit den anstehenden Veränderungen auseinandersetzen und halten an Altbekanntem fest. Sie zeigen weiterhin vertraute Verhaltensmuster und fragen ggf. wenig nach. Informationen werden selektiv aufgenommen. Bei direkter Konfrontation mit der Veränderung reagieren sie mit Widerstand, sind durch­aus trotzig und haben die innere Einstellung: „Veränderung? Nein danke! Nicht mit mir. Ich sorge dafür, dass für mich alles beim Alten bleibt“.

Welche Bedürfnisse, Interessen und Emotionen stecken dahinter?

Die Menschen möchten in ihrem sicheren und gewohnten Arbeitsumfeld bleiben und haben Angst vor Veränderungen, die sie aus ihrer Komfortzone herauslocken. Außer-dem befinden sie sich in einer Art Schockzustand, sind fassungslos und wollen es nicht wahrhaben. Sie verstehen nicht warum was passiert, haben Angst vor Kontrollverlust und versuchen die anstehende Veränderung zu verdrängen.

Was brauchen Mitarbeiter im Zimmer der Verleugnung? Wofür können Führungskräfte sorgen?

Als Führungskraft ist es im Zimmer der Verleugnung entscheidend, einen Leidens-druck auf Seiten der Mitarbeiter zu erzeugen und den Wunsch bzw. die Bereitschaft für die Veränderung zu wecken. Um dieses Ziel zu erreichen ist es wichtig Transparenz zu schaffen durch ein offenes Kommunikationsverhalten. Hören Sie Ihren Mitar-beitern zu, versuchen Sie einen Zugang zu ihren Ängsten und Bedürfnissen herzu-stellen und gehen Sie aktiv in den Dialog mit einzelnen Mitarbeitern, die besonders viel Widerstand zeigen.

Wie können Führungskräfte im Zimmer der Verleugnung ein Vorbild sein?

Lassen Sie sich nicht vom Widerstand der Mitarbeiter anstecken, sondern zeigen Sie stattdessen eine eigene Beweglichkeit und Motivation in Richtung der Veränderung.

Durch das Tal der Tränen – Das Zimmer der Verwirrung

Woran erkennen Sie Menschen im Zimmer der Verwirrung?

Im Zimmer der Verwirrung werden Sie einen spürbaren Leistungsabfall feststellen. Mitarbeiter stellen Fragen, suchen Orientierung und zeigen Ängste. Fehlende Informationen werden durch Gerüchte ersetzt. Schwankende Arbeitsergebnisse, steigende Abwesenheiten sowie plötzliche Krankmeldungen sind ebenfalls Erkennungsmerkmale im Zimmer der Verwirrung.

Welche Bedürfnisse, Interessen und Emotionen stecken dahinter?

Es besteht Existenzangst und die Menschen sehnen sich nach der Sicherheit, die sie vor dem Veränderungsprozess hatten. Da an dieser Stelle noch unklar ist, wie es wei-tergehen wird, haben die Menschen Angst vor der Zukunft und leiden unter der Planungsunsicherheit.

Was brauchen Mitarbeiter im Zimmer der Verwirrung? Wofür können Führungskräfte sorgen?

Im Zimmer der Verwirrung ist es wichtig, die Mitarbeiter über alle laufenden und anstehenden Veränderungen und aktuellen Projektstände aufzuklären und ihnen zu signalisieren, dass Sie Ihnen als Führungskraft vertrauen können. Sie brauchen jetzt jemanden, der sie an die Hand nimmt. Außerdem sollten Sie die Mitarbeiter bei der Erarbeitung von Maßnahmen und Lösungen mit einbeziehen, um ihnen zu verdeut-lichen, dass sie den Veränderungsprozess auch aktiv mitgestalten und nicht nur hilflos auf diesen reagieren können.

Wie können Führungskräfte im Zimmer der Verwirrung ein Vorbild sein?

Versuchen Sie als Führungskraft eine positive Stimmung zu erzeugen und auszustrahlen. Haben Sie eine offene Tür und ein offenes Ohr und geben Sie den Mitarbeitern Antworten auf ihre Fragen. Gehen Sie außerdem aktiv auf Ihre Mitarbeiter zu, wenn Sie den Eindruck haben, dass diese verunsichert wirken und Ihre Hilfe benötigen.

Auf zu neuen Ufern – Das Zimmer der Erneuerung

Woran erkennen Sie die Menschen im Zimmer der Erneuerung?

Wenn Menschen das Zimmer der Erneuerung erreicht haben, erkennen Sie das           an dem aktiven Gestalten ihres Aufgaben- und Tätigkeitsbereichs. Die Menschen sind nun wieder motiviert und leistungsbereit und blicken optimistisch in die Zukunft. Es besteht eine gewisse Offenheit und Risikobereitschaft.

Welche Bedürfnisse, Interessen und Emotionen stecken dahinter?

Menschen, die im Zimmer der Erneuerung angekommen sind, wollen Verantwortung übernehmen und sich selbst weiterentwickeln, indem sie Neues lernen und umset-zen. Sie haben das Bedürfnis, Prozesse mitzubestimmen und mitzugestalten und sind neugierig, auf das was noch kommen mag.

Was brauchen Mitarbeiter im Zimmer der Erneuerung? Wofür können Führungskräfte sorgen?

Als Führungskraft sollten Sie den Mitarbeitern neue Herausforderungen stellen so-wie Perspektiven und Ziele aufzeigen. Wichtig hierbei ist, dass Sie den Mitarbeitern Verantwortung übertragen und ihnen so viel Freiraum geben, wie sie brauchen. Ein regelmäßiges Feedback und das Aufzeigen von Grenzen sind aber ebenso erforderlich. Erkennen Sie gute Leistungen Ihrer Mitarbeiter an und feiern Sie gemeinsame Erfolge. Geben Sie Ihren Mitarbeitern die Möglichkeit Neues zu lernen, um den veränderten Anforderungen gerecht zu werden

Wie können Führungskräfte im Zimmer der Erneuerung ein Vorbild sein?

Um im Zimmer der Erneuerung ein Vorbild zu sein, sollten Sie als Führungskraft vorweggehen und ihren Mitarbeitern eine klare Richtung aufzeigen. Schenken Sie ihnen Vertrauen, unterstützen Sie bei Rückschlägen und sorgen Sie für einen regel-mäßigen Erfahrungsaustausch.


Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass es im Veränderungsprozess wichtig ist, sich näher mit den emotionalen Phasen, die durchlaufen werden, auseinander zu setzen, um die Veränderung mit allen beteiligten Personen erfolgreich umsetzen und etablieren zu können. Denn nur, wenn die Veränderung von allen akzeptiert, verinnerlicht und gelebt wird, wird sie langfristig Früchte tragen.

Wenn Sie weiterführende Fragen haben, freuen wir uns, wenn Sie auf uns zukommen.

Über den Autor

Michael Lorenz

Michael Lorenz ist Gesellschafter und Geschäftsführer der grow.up. Managementberatung. Er arbeitet in seiner Funktion als Managementberater, Trainer und Coach. Vorher war er Geschäftsführer und Partner der Kienbaum Management Consultants GmbH und leitete den Geschäftsbereich Human Resources Management. Seit 1988 berät Michael Lorenz nationale und internationale Kunden in Fragen der Strategie, der Personalentwicklung und der Management-Diagnostik.

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