Interview mit Christoph Kurtzmann: „Mein Lebenslauf hat mich einige Praktika zu Studienzeiten gekostet“

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Christoph Kurtzmann ist Berater, Trainer und zertifizierter Business-Coach. In seinem Interview erzählt er, warum es auf Grund seines Lebenslaufes (auf dem Papier) nicht immer so gut mit Praktika geklappt hat und was sein „must-have“ am Morgen ist. Er plädiert für mehr „Zick-zack-Lebensläufe“ und gibt einen Einblick in seine Vorbilder.

1. Christoph, du hast Wirtschaftspsychologie studiert. Wie bist du zu dem Studiengang und deinem heutigen Job als Managementberater gekommen?

Ich wusste erst relativ spät, was ich studieren möchte – ich glaube, das war so in der 12. Klasse. Reine Psychologie kam für mich eigentlich nicht in Frage, da ich nicht als Therapeut oder Psychiater arbeiten wollte. Außerdem hätte mein damaliger Schnitt nicht für ein reines Psychologiestudium gereicht. So bin ich auf den Studiengang Wirtschaftspsychologie an privaten Hochschulen gekommen. Durch diverse Jobs, Praktika, Nebentätigkeiten und einige Jahre der Selbstständigkeit hat sich dann über die Jahre hinweg herauskristallisiert, dass die Beratung ein passender Beruf sein könnte. Meine Ausbildung als Business-Coach war ein weiterer ausschlaggebender Punkt, mich für die Bereiche Beratung, Training und Coaching zu interessieren.

2. Was macht das Beraterdasein aus deinen Augen interessant?

In diesem Beruf kann ich so gut wie alle meine Leidenschaften ausleben: Die Arbeit mit Menschen, denen ich im professionellen Kontext beratend und unterstützend zu Seite stehen kann. Die permanent geforderte Flexibilität und fehlende Routine – ich bin kein Routine-Mensch. Nur beim Kaffee morgens!
Die hohen Freiheitsgrade – vor allem in einem kleineren Unternehmen wie grow.up.!
Ich muss oft kreativ tätig werden und täglich sind Lösungsfindungsprozesse angesagt. Ich komme viel herum und lerne unterschiedliche Menschen, Firmen und Branchen kennen. Ich kann wirklich über diesen Beruf sagen, dass er für mich Berufung ist.

3. Gibt es auch Schattenseiten des Jobs?

Lange Arbeitszeiten und viel verbrannte Zeit auf Autobahnen, in Zügen oder Fliegern. Da ich meinen Job allerdings sehr gerne mache, relativieren sich diese „Schattenseiten“. Man darf nur nicht vergessen, dass natürlich weniger Zeit für die Pflege von Freundschaften, der Beziehung und Hobbies bleibt.

4. Wie motivierst du dich?

Motivation sollte bestenfalls ein innerer Antrieb sein, der einen immer wieder zu Höchstleistungen antreibt. Für mich sind es immer wieder neue, schwierige Herausforderungen, die nach einer Lösung verlangen. Die ständigen Perspektivwechsel. Und das Gefühl, einen zufriedenen Kunden gewonnen zu haben.

5. Welche Eigenschaften sollten diejenigen haben, die darüber nachdenken als Berater zu arbeiten?

Eine hohe Belastbarkeit und die Bereitschaft, viel zu reisen. Doch das sind erst einmal nur äußere Rahmenbedingungen für diesen Beruf. Für mich ist die „just do it“ Mentalität sehr wichtig und eine extrem hohe Lösungsorientierung.
Wer dazu tendiert, in Problemen zu denken und nicht den nötigen „Drive“ mitbringt, Dinge schnell umsetzen zu können und zu wollen, sollte sich sicherlich überlegen, ob er oder sie diesen Job wirklich ausüben möchte.
Das mag hart klingen – und dennoch gehört es für uns zum Tagesgeschäft, in angemessener Zeit für unsere Kunden Lösungen zu entwickeln, die Erwartungen übertreffen.

6. Dein Lebenslauf ist auch alles andere als geradlinig – ist das für dich hinderlich oder bewertest du es eher als positiv?

Ich muss ganz ehrlich sagen, dass mein Lebenslauf mich einige Praktika zu Studienzeiten gekostet hat – eben weil er nicht stringent ein Ziel verfolgt hat. Oft bin ich bereits in der ersten Runde des Bewerbungsprozesses herausgeflogen; nicht selten mit dem Feedback, dass keine klare Linie in meinem CV erkennbar wäre.
Ich habe einfache Lagerarbeiten durchgeführt, in Autohäusern und Pubs gearbeitet, bei Events unterstützt, war selbstständig als Web-/Grafikdesigner und habe auch Zwischenstopps bei Apple, Hollister, der Caritas und in der Industrie gemacht.
Heute bin ich sehr froh, dass ich bisher über 18 verschiedene Berufe ausprobiert habe – davon profitieren meine Kunden, weil ich mich schnell in ihre Situationen und Fragestellungen hineinversetzen kann. Davon profitiere aber auch ich, da ich unsere Kunden besser verstehe und Herausforderungen aus verschiedenen Blickwinkeln heraus betrachten kann. Ich bin überzeugt davon, dass es außerhalb der Beratung nicht viele Berufe gibt, in denen diese Vielseitigkeit wirklich geschätzt wird – obwohl ich denke, dass es in vielen Unternehmen mehr „Zick-zack-Lebensläufe“ geben sollte!

7. Wenn du grow.up. in drei Wörtern beschreiben müsstest, welche wären das?

Individuell, nachhaltig, kundenorientiert

8. Bitte nenne drei Charaktereigenschaften, die du besonders schätzt.

Zielstrebigkeit, Höflichkeit und, wer hätte das gedacht, Lösungsorientierung!

9. Womit verbringst du deine Freizeit?

Ich versuche unter der Woche die wenige Freizeit, die übrigbleibt, mit Sport, meiner Partnerin und gutem Essen zu füllen. Am Wochenende verbringe ich die Zeit gerne mit Lesen, Freunden und Sport. Wenn das Wetter es zulässt, dann drehe ich auch die eine oder andere Runde mit dem TR3. Ansonsten viele Kurztrips in andere Städte!

10. Wer ist dein Vorbild?

Diese Frage ist schwierig zu beantworten – es gibt für mich nicht DAS eine Vorbild. Ich bewundere Steve Jobs und Elon Musk – gleichzeitig haben aber auch viele Sportler meinen höchsten Respekt. Es gibt also viele Menschen, die mich beeindrucken und von denen ich überzeugt bin, dass man noch viel von ihnen lernen kann. Und das heißt nicht, dass man alles so übernehmen kann und sollte!

11. Welches ist dein Lieblingsbuch?

Aus dem Bereich der Belletristik: Gone Girl von Gilian Flynn.
Ansonsten mag ich besonders: „Die 7 Wege zur Effektivität“, „Think and Grow Rich“ sowie „Thinking, fast and slow“.

12. Hast du einen Lieblingsautor?

Ich habe Paulo Cuelho immer sehr gemocht – allerdings haben auch die Autoren der obigen Bücher mich sehr beeindruckt.

13. Welche Zeitschriften/Zeitungen hältst du für besonders empfehlenswert?

Ich lese häufig Brand Eins sowie die WirtschaftsWoche. Für die Süddeutsche Zeitung und das Handelsblatt bleibt leider meist keine Zeit.

14. Auf welche drei Dinge kannst du auf keinen Fall verzichten?

Guten Kaffee: Mein Morgen beginnt immer mit einem guten Kaffee. Fällt der weg, dann fällt es mir schon schwerer, in den Tag zu starten. Nicht unbedingt wegen des Koffeins, sondern eher wegen des Geschmacks – das ist quasi schon eine Sucht.
Sport: Für meinen sehr kopflastigen Beruf brauche ich einen Ausgleich. Daher verbringe ich so viel Zeit wie möglich im Fitnessstudio und kämpfe mit dem Eisen. Leider hat das Eisen den Kampf oft genug gewonnen – ich arbeite noch daran!
Internet: Klingt ein wenig nach einer Sucht – allerdings ermöglicht mir das Internet, meinen Wissensdurst zu stillen – auch wenn gerade einmal keine Zeitung oder kein Buch zur Hand ist.

Über den Autor

Christoph Kurtzmann

Christoph Kurtzmann ist Berater, Trainer und Coach bei der grow.up Managementberatung. Nach seinem Wirtschaftspsychologie-Studium in Köln und Iserlohn (B.A. und M.Sc.) und seiner Weiterbildung als zertifizierter Business Coach arbeitet er seit 2015 bei grow.up. Vorherige berufliche Stationen waren MHP – A Porsche Company, AGRAVIS AG, Apple Retail GmbH und die Pfleiderer AG.

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