Konfliktkosten reduzieren mit dem Vierfarben-Modell

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Wissen Sie eigentlich, wie hoch die jährlichen Konfliktkosten in Ihrem Unternehmen sind?

Den Ergebnissen zweier KPMG Studien aus den Jahren 2009 und 2012 zu folge, wird Ihre Antwort auf diese Frage vermutlich so ähnlich lauten wie: „Kann ich Ihnen leider nicht sagen“. Denn nur etwa die Hälfte der Führungskräfte aus den 4.000 befragten deutschen Industrieunternehmen konnte die durch Konflikte entstandenen Kosten tatsächlich beziffern. Als Konfliktkosten gelten dabei alle Kosten, die einem Unternehmen durch Konflikte entstehen. Dabei ist unerheblich, ob der Konflikt allein ursächlich für die Kosten ist, denn die Mitverursachung von Kosten genügt bereits für die Kausalität, da ohne den Konflikt geringere Kosten entstehen könnten.

KPMG kommt außerdem zu dem Ergebnis, dass 10-15% der Arbeitszeit in jedem Unternehmen für die Bewältigung von Konflikten verbraucht werden. Bei Führungskräften sind es sogar 40% ihrer Arbeitszeit, die sie direkt oder indirekt mit Reibungsverlusten, Konflikten oder Konfliktfolgen verbringen. Soweit die schlechte Nachricht.

Die gute Nachricht ist, dass die Studie auch ein Reduktionspotenzial der Kosten von mind. 25% pro Jahr zeigt.

Wenn wir also Konflikte und die damit verbundenen Kosten vermeiden wollen, so müssen wir zunächst verstehen, woher sie kommen.

Der Psychologe und Persönlichkeitsforscher C. G. Jung hat einmal gesagt: Zwei Menschen können etwas betrachten, darüber unterschiedlicher Meinung sein und beide haben Recht. Dennoch verhalten wir uns häufig so, als ob unsere persönliche Wahrnehmung die einzige Wirklichkeit wäre. Warum?

Weil es keine objektive und absolut gültige Wirklichkeit, sondern nur viele subjektive Wirklichkeiten gibt. Denn unser Bild von der Wirklichkeit ist von unserer subjektiven Sicht der Dinge geprägt. Wenn wir wahrnehmen, strömen pro Sekunde etwa 11 Millionen Bits an Informationen über unsere 5 Sinnesorgane auf uns ein. Doch nicht alles, was wir wahrnehmen, wird uns auch bewusst. So kann unser Gehirn nur max. 40 Bits verarbeiten. Das heißt, wir wählen Daten aus, wir filtern und zwar auf der Basis früherer Erfahrungen. Diese formen unser Weltbild. Welche Erfahrungen wir machen, hängt allerdings auch wieder von unserer Wahrnehmung ab. Und diese ist, wie wir wissen, hoch subjektiv. Viele Kommunikationsprobleme ergeben sich daraus, dass wir allzu oft davon ausgehen, der andere habe etwas genauso gehört, gesehen und erfahren wie wir. Der andere hat aber einen völlig anderen Erfahrungshorizont, eine andere Persönlichkeit und nimmt daher die Wirklichkeit ganz anders wahr.

Wenn wir also Konflikte vermeiden wollen, dann müssen wir anfangen, den Wahrheitsgehalt unserer eigenen Wahrnehmung zu relativieren, statt sie zum absoluten und allgemein gültigen Maßstab zu machen. Zugegeben, das ist leichter gesagt als getan.

Etwas leichter gelingt uns dies mit Hilfe der Typologienlehre im Allgemeinen und des Vierfarben-Modells im Speziellen. Es macht die Unterschiedlichkeit in der Wahrnehmung, im Denken und im Verhalten von Menschen greifbar und hilft uns, unsere Informations-Filter wieder etwas weiter zu stellen.

Das Vierfarben-Modell (auch unter den Namen Insights Discovery® Profile bekannt) geht auf C. G. Jung zurück. Er beschrieb anhand der beiden Dimensionen „intro- vs. extravertiert“ und „rational vs. emotional“ vier unterschiedliche Menschentypen. Die Dimen­si­on introver­tiert vs. extravertiert beschreibt die Art, wie wir auf unsere äußere und innere Erfahrungswelt reagieren. Introvertierte Menschen verhalten sich eher ruhig, zurückhaltend, nachdenklich und beobachtend, während extravertierte Menschen eher gesprächig, sich einbringend, auffallend und gesellig erscheinen.  Die zweite Dimension rational vs. emotional beschreibt, wie wir Entscheidungen treffen. Ein rationaler Menschentyp trifft eher sachliche/fachliche Entscheidungen (mit dem Kopf). Ein emotionaler Menschentyp trifft sie eher gefühlsgeleitet/men­sch­en­orientiert (mit dem Bauch).

Aus diesen beiden Di­men­sionen ergeben sich vier unterschiedliche Persön­lich­keits­typen

Da wäre zunächst der Blaue (introvertiert und rational). Dieser Persönlichkeitstyp verhält sich eher ruhig und zurückhaltend. Er ist sehr genau und liebt es, Dingen auf den Grund zu gehen. Er will wissen, was die Welt im Innersten zusammenhält. Er arbeitet äußerst gewissenhaft und ist dabei sehr ausdauernd. Sein Lebensmotto könnte lauten: „Erst denken, dann handeln!“ oder „Ich denke, also bin ich!“.

Die Kombination aus extravertiert und rational beschreibt den Roten. Dieser Typ ist äußerst handlungs- und ergebnisorientiert. Er investiert viel Zeit in seine Arbeit und sagt anderen gerne, was zu tun ist. Er will am liebsten jede Minute produktiv nutzen und kann daher auch andere zu einem Mehr an Leistung antreiben. „Nicht reden, sondern handeln!“ oder „Done is better than perfect!“ sind seine Leitsätze im Leben.

Der Grüne (introvertiert und emotional) ist nachdenklich, besonnen und überlegt. Er strebt nach Harmonie und legt viel Wert auf zwischenmenschliche Beziehungen. Er hat eine hohe Sensibilität und nimmt viel Rücksicht auf die Bedürfnisse anderer. Er ist gerne Teil des Teams und trifft Entscheidungen am liebsten im Konsens mit anderen. Sein Motto könnte lauten: „Einer für alle, alle für einen!“.

Der gelbe Typ arbeitet ebenfalls gerne mit anderen zusammen. Er will diese von sich und seinen Ideen überzeugen. Hierfür braucht er des Öfteren eine Bühne. Er will von anderen akzeptiert sein und mehr noch bewundert werden. Er ist ideenreich, kreativ und innovativ. Sein Lebensmotto könnte lauten: „Ich bin hier, wo steht das Klavier?“.

Wir alle tragen alle vier Farben in uns – nur zu unterschiedlichen Anteilen. Sieht man sich die Beschreibung der Farbtypen etwas näher an, so stellt man schnell fest, dass diese die Welt ganz unterschiedlich sehen, ihnen unterschiedliche Dinge wichtig sind, sie unterschiedlich „ticken“. Konflikte sind also vorprogrammiert. Besonderes Konfliktpotenzial ist bei den „gegenüberliegenden“ Typen also zwischen dem Blauen und dem Gelben sowie dem Roten und dem Grünen gegeben. Denn sie haben keine der beiden Dimensionen gemeinsam und nehmen sich daher am unterschiedlichsten wahr. Das heißt, sie müssen mehr dafür tun, sich gegenseitig nicht miss zu verstehen.

Aber auch zwischen „Gleichfarbigen“ kann es Konflikte geben. So können Konflikte zwischen zwei Menschen mit der Erstfarbe rot z. B. wegen ihrer ausgeprägten Dominanz und Wettbewerbsorientierung entstehen.

Wenn Sie also wissen, was den unterschiedlichen Typen wichtig ist, wie sie angesprochen werden wollen und was in Ihnen Konflikte auslöst, können Sie diese zukünftig besser antizipieren und erfolgreich vermeiden oder lösen.  Hierdurch gelingt es Ihnen, die Konfliktkosten in Ihrem Unternehmen erheblich senken.

Was also löst bei den unterschiedlichen Typen Konflikte aus und wie können Sie sie gezielt vermeiden?

Der Blaue hat ein starkes Bedürfnis nach Ordnung und Struktur. Durch sein Perfektionsstreben hat dieser Menschentyp große Befürchtungen, Fehler zu machen. Um Fehler zu vermeiden, holt sich der Blaue erst einmal so viele Informationen wie möglich ein, bevor er mit einer Aufgabe beginnt. Wenn Sie dem Blauen also Informationen vorenthalten, Sie planlos vorgehen oder öfter Ihre Richtung ändern, so lösen Sie damit höchstwahrscheinlich einen Konflikt bei ihm aus.

Was löst in einem Roten Konflikte aus? Die innerste Befürchtung des Roten ist es, Zeit, Macht und Einfluss zu verlieren. Daher ist es ihm extrem wichtig, schnell zu Lösungen und ins Handeln zu kommen. Das lange Überlegen und die Unentschlossenheit anderer sind für den Roten ähnlich schlimm, wie selbst keinen Einfluss mehr ausüben zu können. Stillstand ist für diesen Typen Rückschritt.

Wie verhält es sich mit dem Grünen, was bringt ihn auf die Palme? Der Grüne ist ein Mensch, dem die Wahrung der eigenen Werte, wie auch die der Gesellschaft, in der er lebt, äußerst wichtig ist. Werden diese verletzt, er unpersönlich oder unfair behandelt, löst das in ihm Konflikte aus. Wer den Grünen in seiner Arbeit unterbricht, ihn unter Druck setzt oder von ihm eine schnelle Veränderung verlangt, sorgt für Zündstoff.

Das Wichtigste für den Gelben sind seine persönliche Freiheit und Raum für kreative Gedanken sowie Spaß und soziale Interaktion mit anderen Menschen. Seine größte Befürchtung ist daher, den guten Kontakt mit seinen Mitmenschen zu gefährden oder seinen Entfaltungsspielraum zu verlieren. Erhält dieser Persönlichkeitstyp keine persönliche Ansprache und muss isoliert von anderen Routineaufgaben erledigen, löst das bei ihm inneren Widerstand aus.

Was Sie nun konkret tun können, um Konflikte mit oder zwischen den unterschiedlichen Typen zu vermeiden, fasst die folgende Abbildung nochmals für Sie zusammen.Kommunikationsempfehlungen Insights

Wenn Sie die vier Farbtypen näher kennenlernen und erfahren möchten, wie Sie das Vierfarben-Modell z. B. bei der Personalauswahl oder in Verhandlungen gewinnbringend für sich einsetzen, empfehlen wir Ihnen unser Booklet „Erfolgreiche Führung mit dem Vierfarben-Modell“ aus der grow.up. Reihe „Führungswissen punktgenau“.

Über den Autor

Nora Haager

Nora Haager, seit 2014 Beraterin, Trainerin und systemischer Coach bei der grow.up. Managementberatung GmbH, ist studierte Psychologin (M.Sc.) mit den Schwerpunkten Wirtschafts- und Personalpsychologie. Vor grow.up. war sie in der Personal- und Führungskräfteentwicklung bei der Fraport AG sowie der internationalen Führungskräfteentwicklung bei der Porsche AG tätig. Darüber hinaus arbeitete sie bereits während ihrer Studienzeit als freiberufliche Trainerin und Coach.

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