Kündigung? Wie Sie den Schock verarbeiten und wieder handlungsfähig werden

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Es ist passiert! Ihr Arbeitgeber hat Ihnen die Kündigung ausgesprochen. Eine Kündigung bedeutet eine einschneidende Veränderung im Denken, Fühlen und Handeln. Gesagt zu bekommen, dass man nicht mehr gebraucht wird oder nicht mehr erwünscht ist, ist für jeden erst einmal ein Schock. Es verändert die Dinge mit einem Schlag. Es gilt, sich einer neuen Realität zu stellen, alte Ziele aufzugeben und sich neu zu orientieren.

Die Auswirkungen einer Kündigung (für Sie persönlich) können sich auf verschiedenen Ebenen zeigen:

  • Veränderung der sozialen Beziehungen (Bestehende Beziehungen am Arbeitsplatz können nicht in gleicher Form aufrechterhalten werden, man gehört nicht mehr dazu)
  • Gegebenenfalls materielle Einschränkungen
  • Veränderungen der beruflich-laufbahnbezogenen Ziele (Der angestrebte Weg ist unterbrochen und kann eventuell nicht in gleicher Form oder Geschwindigkeit fortgesetzt werden)
  • Persönliche, psychische und physische Belastung
  • Belastung, im schlimmsten Fall Spannungen in der Familie

 Die Phasen der Reaktionen auf den Arbeitsplatzverlust

  1. Ihre ersten Reaktionen werden vielleicht Schock und Verwirrung sein, die es Ihnen schwer machen, einen klaren Gedanken zu fassen und logisch zu handeln. Sie erleben eine Ausnahmesituation, auf die auch Ihr Körper mehr oder weniger ausgeprägt reagieren kann. Ihr Selbstwertgefühl, aber auch die Einschätzung Ihrer eigenen Handlungsmöglichkeiten, sinken in diesem Moment wahrscheinlich drastisch.
  2. Ganz normal ist es, wenn Sie in der zweiten Phase die reale Situation verleugnen. Sie wollen es nicht wahrhaben. Reaktionen wie: Das wollen wir erst mal sehen …, Da spreche ich mit dem …, dann wird die Kündigung zurückgenommen; Das kann ja gar nicht sein, das muss ein Fehler sein, den ich aufklären werde … sind in dieser Phase sehr verständlich. Diese Reaktion hat den Vorteil, dass wir uns wieder stärker und handlungsfähiger fühlen.
  3. Ganz langsam werden wir uns dann aber doch darüber bewusst, dass die Situation so ist wie sie ist. Diese Akzeptanz findet allerdings nur im Kopf statt. Emotional akzeptieren wir die Situation noch nicht. Das Selbstwertgefühl und die Einschätzung der eigenen Handlungsfähigkeit sinken in dieser Phase wieder. Wut und aggressive Gedanken gegenüber dem Arbeitgeber und auch gegenüber den Kollegen die noch dort sind, sind nur zu verständlich.
  4. Weitere Einbußen muss unser Selbstwertgefühl in der nächsten Phase hinnehmen. Wir erleben Zweifel, Fragen und Ängste. Es ist das Tal der Tränen, durch das Sie emotional gehen müssen, um sich neu orientieren zu können und wirklich wieder handlungsfähig zu werden. In dieser Phase geht es darum, die Veränderung auch emotional zu akzeptieren. Je stärker ihr Umfeld sie unterstützt, desto schneller werden Sie den Mut haben, sich mit den ganz verständlichen Reaktionen der Verunsicherung und Angst auseinander zu setzen.
  5. Aus dieser Phase entwickelt sich die Einsicht, dass Sie jetzt neue Wege gehen müssen, dass Ihnen altes und vertrautes Handeln nicht mehr wirklich weiterhilft. Jetzt können Sie anfangen, Ihre Aufmerksamkeit auf die Zukunft, auf neue Chancen und Möglichkeiten zu richten. Ihr Selbstwertgefühl und die Wahrnehmung Ihrer Handlungsmöglichkeiten steigen wieder.
  6. Am Ende des Prozesses stehen Sie gestärkt vor Ihrem eigenen Spiegelbild. Vielleicht können Sie zurückliegende Reaktionen gar nicht mehr richtig verstehen. Sie haben Klarheit darüber, wie es für Sie weitergeht und sehen jetzt vielleicht, dass der Prozess Ihnen, neben neuen beruflichen Chancen und Herausforderungen, die eine oder andere Einsicht und Erfahrung gebracht hat.

Suchen Sie sich Hilfe, die Herausforderung der Veränderung erfolgreich zu meistern

Unterstützung, auf die Sie zurückgreifen können, um diese herausfordernde und belastenden Zeit nicht alleine meistern zu müssen, finden Sie zum einen natürlich im privaten Bereich. Zum anderen bietet es sich aber ggf. auch an, auf professionelle Hilfe zurückzugreifen.

Friends & Familiy

Das soziale Umfeld stellt neben dem Beruf für viele das wichtigste Standbein dar. Sowohl die Familie als auch Freunde geben Rückhalt, wenn die beruflichen Erfolge ausbleiben, wenn das berufliche Umfeld sich verändert oder komplett wegbricht. Der emotionale Rückhalt aus der Familie ist ein wichtiger Aspekt, der nicht unter- schätzt werden sollte. Gleichzeitig können Sie mit diesen Menschen in die Zukunft schauen, neue Wege planen und Ideen entwickeln, und auch Ängste abzubauen fällt mit der Unterstützung Ihres sozialen Umfelds leichter als ohne es.

Professionelle Unterstützung

Viele Fragen und Aspekte werden Sie ohne professionelle Unterstützung nicht erfolgreich beantworten können. Ganz oben auf der Liste möglicher Beratungsunterstützung steht dabei sicher die rechtliche Beratung. Hierbei geht es einfach darum, arbeitsrechtlich richtig zu handeln und die für Sie bestmögliche Vereinbarung/Lösung mit dem Arbeitgeber zu treffen. Ein Fachanwalt für Arbeitsrecht prüft auch für Sie, ob die Kündigung rechtmäßig ist, also bei Zugrundelegung aller arbeitsrechtlichen Vorschriften vor Gericht Bestand hat. Ist die Kündigung mit einem Abfindungsangebot verbunden, geht es darum zu prüfen, ob das Angebot, das Ihnen Ihr Arbeitgeber gemacht hat, angesichts der rechtlichen Situation angemessen ist.

Aber auch andere Formen der Unterstützung sollten Sie nicht ohne Prüfung des persönlichen Nutzens vorschnell als unnötig verwerfen:

  • Rechtsanwalt (Fachanwalt für Arbeitsrecht)
  • Persönliches Coaching (zeitlich befristete Begleitung mit dem Ziel, einen persönlichen Entwicklungsprozess anzustoßen)
  • Outplacement-Beratung
  • Zusammenarbeit mit Personalberatern und Headhuntern

Geben Sie sich die Zeit, die Sie brauchen

Die Ausführungen zum Veränderungsprozess haben bereits deutlich gemacht, dass Sie sich selbst etwas Zeit geben sollten, sich in die veränderte Situation einzufinden. Nutzen Sie die Zeit, die Sie jetzt haben, möglichst gewinnbringend für sich. Unterscheiden Sie zwischen:

Zeit für sich selbst

Im Leben beruflich sehr stark engagierter Menschen gibt es immer Themen, Interessen und Bereiche, die zu kurz kommen oder die Sie schon immer einmal ausprobieren wollten. Die Zeit, die Sie jetzt haben, können Sie auch für diese Dinge nutzen – sehen Sie sie als Geschenk. Dabei geht es durchaus darum, sich selbst etwas Gutes zu tun, Freude zu empfinden, um diese Zeit der Neuorientierung mit positiven Aktivitäten zu verbinden.

Zeit für Beratung, Planung, Kontakte und Bewerbungen

Sie werden schnell feststellen, dass Neuorientierung viel Zeit kostet. Sie werden mit vielen Leuten – Beratern, Netzwerkpartnern, Firmenkontakten und, und, und – telefonieren und sprechen. Sie benötigen Zeit für Ihre persönliche Bilanz und Zielfindung. Bewerbungen sind, wenn sie gut und überzeugend sein sollen, zeitintensiv. Diese Zeit ist gut investiert, denn sie ist das Fundament für Ihre Zukunft.

Der Gesamtprozess macht deutlich, dass der Anspruch, diese Zeit ohne jegliche Hilfestellung zu bewältigen, ein sehr hoher ist. Nutzen Sie die Hilfe, die Ihnen zur Verfügung steht. Nicht nur um Ihre Sorgen mitteilen und teilen zu können, sondern auch, um immer wieder den neutralen Blick von außen in Ihre Gedanken einbeziehen zu können. Im eigenen Kopf drehen sich die Gedanken sonst oft nur in eine Richtung – im Kreis.

Und: Der gesamte Veränderungsprozess bekommt eine ganz andere Dynamik, wenn am Ende ein klar definiertes Ziel oder eine attraktive Vision steht. Beides wirkt wie ein Magnet und man hält schwierige Phasen mit Misserfolgen deutlich besser aus.

Alles, was Sie zum Thema Neuorientierung wissen müssen, finden Sie in unserem Buch „Neuorientierung für Führungskräfte“. Hier finden Sie auch ausführliche Informationen zu den Themen: Persönliches Coaching, Zusammenarbeit mit Headhuntern, Outplacementberatung uvm.

Über den Autor

Michael Lorenz

Michael Lorenz ist Gesellschafter und Geschäftsführer der grow.up. Managementberatung. Er arbeitet in seiner Funktion als Managementberater, Trainer und Coach. Vorher war er Geschäftsführer und Partner der Kienbaum Management Consultants GmbH und leitete den Geschäftsbereich Human Resources Management. Seit 1988 berät Michael Lorenz nationale und internationale Kunden in Fragen der Strategie, der Personalentwicklung und der Management-Diagnostik.

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