Wann fängt eigentlich Zukunft an?

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Ein guter Freund von mir ist seit längerem unzufrieden mit seinem Job. Es sind verschiedene Dinge, die ihn anstrengen und manchmal auch aufregen. Mal sind es die Aufgaben, die ihm übertragen werden, mal das mehr oder weniger abgestimmte Managementteam, das die Geschicke der Firma lenkt, mal langweilt er sich in dem Team, zu dem er seit längerem gehört. Viele Signale, die in eine Richtung zeigen: Es ist anscheinend Zeit für eine Veränderung.

Und mein Freund hat sich dazu schon viele Gedanken gemacht und Fragen formuliert. Da gibt es die ganz große Frage, wie der nächste Karriereschritt aussehen könnte, der Neues bringt, aber auch für ein paar Jahre hält. Es gibt die Frage, ob jetzt nicht der Zeitpunkt sei, ein altes Vorhaben zu verwirklichen und im Ausland zu arbeiten. Das wollte er eigentlich schon immer machen, aber es kam immer was dazwischen. Mein Freund denkt auch über einen Branchenwechsel nach, wäre bereit, sich weiter zu qualifizieren und durchaus auch den Ort zu wechseln. Eine Auszeit von ein paar Wochen beim aktuellen Arbeitgeber wäre auch mal gut. Seines Wissens  gibt es aber keine Sabbaticals.

Warum sprechen wir häufig vom übernächsten Schritt und selten vom naheliegenden?

Anfangs dachte ich, dass mein Freund gerade eine schlechte Phase hat und sich wieder fangen wird. Aber dem war nicht so. Also fing ich an, mitzudenken und wurde Teil seiner Suchbewegung. Einmal stellte ich die Frage, ob er schon mal mit seiner Chefin oder auch jemandem aus dem Personalbereich über seine Unzufriedenheit gesprochen hat. Nein, das ginge gar nicht, war die prompte Antwort. Welche Branche es denn sein könnte, war eine andere Frage. Erkennbares Unbehagen breitete sich aus – und es kam keine wirkliche Antwort.

Soviel zu meinem Freund, denn eigentlich kenne ich das auch von mir selbst. Da gibt es Pläne, die weniger bedeutungsvoll sind als das Nachdenken über einen beruflichen Wechsel. Es sind häufig Sehnsüchte und Sachen, die ich einfach schick fände: der Wunsch nach Ruhe, nach einem wunderschönen, mehrwöchigen Urlaub, die Eigentumswohnung in London.

Zukunftsbilder sind wichtig und Träume auch. Aber verhindert der große Traum nicht manchmal das Handeln im Hier und Jetzt? Zukunft entsteht im nächsten Moment. Und eines ist doch klar: ohne unerwarteten größeren Geldregen wird die Wohnung in London ein Traum bleiben. Aber immer wieder dorthin einen Kurztrip zu machen, ist schon realisierbarer.

Und der Wunsch nach Ruhe? In meinem Beruf eine schwierige Sache. Aber da gibt es dieses wunderbare Headset, das mir zu kleinen Ruhe-Inseln beim Reisen verhilft. Am Traum von der Privatinsel kann ich trotzdem weiterarbeiten.

Eine Idee wahr werden zu lassen, bedeutet, die ersten Schritte zu gehen, und die hängen mit den Gegebenheiten zusammen. Welche Schritte sind mit Blick auf die tatsächlichen Gegebenheiten die nächsten? Es geht ums Anfangen. Vielleicht würde mein Freund im Gespräch mit seiner Vorgesetzten Dinge hören, die ihm in seiner Entscheidung weiterhelfen. Oder vielleicht könnte ein Karriere-Coaching ihm helfen, seine Gedanken zu sortieren und zu gewichten. Wo geht die Energie tatsächlich hin?

Mein nächster Schritt

Ich werde als nächstes zum Technikhändler meines Vertrauens gehen und fragen, ob es mittlerweile ein leistungsstärkeres Headset gibt.

Über den Autor

Dr. Susanne Eckel

Susanne Eckel ist Associate Partner der grow.up. Managementberatung und als Trainerin, Beraterin und Coach im Einsatz. Sie war 15 Jahre lang klassisch angestellt, hatte in verschiedenen Firmen, Hierarchiestufen und Aufgabenbereichen gearbeitet, bis sie schließlich zu grow.up. und in die Beratung wechselte.

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