Neue Trends im Bereich E-Learning

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E-Learning ist populär. Viele Unternehmen nutzen Angebote aus dem Bereich des E-Learning, und auch im privaten Bereich erfreuen sich Selbstlern-Programme aus dem Internet hoher Beliebtheit – ob als „App“, die einem das korrekte Binden der Krawatte erläutert oder als Vokabeltrainer. Lernen mit Hilfe elektronischer oder digitaler Medien, denn nichts anderes ist E-Learning, kann in seiner Ausgestaltung sehr vielfältig sein. Welche Angebote liegen aktuell im Trend? Was genau verbirgt sich dahinter? Wie sind diese aktuellen Angebote im Vergleich zum Präsenzseminar zu bewerten? Wo liegen ihre konkreten Vor- und Nachteile?

Entstehung des E-Learning

Weil E-Learning sich elektronischer und digitaler Medien bedient, denken viele Menschen, dass E-Learning erst mit dem Aufkommen des Internets entstand. Tatsächlich reicht die Geschichte des E-Learnings deutlich weiter zurück. Die Anfänge liegen in der Erfindung von Lernmaschinen (um ca. 1865), die dabei halfen, mehrere Literaturquellen simultan zu nutzen oder die Rechtschreibung zu üben. Ein Jahrhundert später folgten die ersten Software-Programme, die das Erlernen von Fremdsprachen sowie Produkttrainings am Computer ermöglichten. Diese Technologien wurden fast ausschließlich in Unternehmen genutzt. Mit der Verbreitung des Internets hat
E-Learning seit Mitte der 1990er Jahre einen deutlichen Aufschwung erlebt, und die Anwendungsgebiete wurden stark ausgeweitet. Als Schulungsmethode ist E-Learning heute einem breiten Nutzerkreis zugänglich und hat auch im privaten Bereich Einzug gehalten. Dieser Trend setzt sich kontinuierlich fort.

Aktuelle Trends

E-Learning zeichnet sich unter anderem durch eine hohe Variabilität und Vielfältigkeit in Inhalten und Darstellungsweise aus. Zwei aktuelle Trends, stellen wir Ihnen nachfolgend vor.

Webinar

Ein Webinar weist die typischen Charakteristika eines Seminars auf, wird jedoch über das Internet gehalten. Trainer und Teilnehmer befinden sich im Webinar nicht am gleichen Ort, sondern sind digital miteinander verbunden. Im Gegensatz zu vielen anderen E-Learning-Methoden sind beide an einen festgelegten Start- und Endpunkt der Veranstaltung gebunden.

Bei einem Webinar präsentiert und schult der Trainer in einem virtuellen Seminarraum. Der Wissenstransfer erfolgt zum einen über Medien, die online präsentiert werden (meist in Form von PowerPoint-Präsentationen), zum anderen über die zeitgleiche mündliche Erläuterung durch den Trainer. Letztere wird entweder über VoIP (Voice over IP – Internet-Telefonie) oder über eine integrierte Zuschaltung des Telefons übertragen. Ist eine Webcam angeschlossen, besteht die Option, dass die Teilnehmer den Trainer auch sehen können.

Damit das Seminar nicht zum einseitigen Monolog wird, gibt es diverse Optionen, um die Teilnehmer aktiv einzubinden, z. B. per Chat Fragen zu stellen. Der Trainer kann auch „Sprachrechte“ an die, im Regelfall auf „stumm“ geschalteten, Teilnehmer vergeben, damit sie Fragen hörbar stellen können.

Video Publishing

„Einfach von den Besten lernen.“ Das ist das Motto der Pink University, einem der führenden Vertreter des Video Publishings, einer weiteren Variante des E-Learning. Bei diesem Konzept werden Experten aus verschiedenen Themengebieten engagiert, um in kurzen Videos komprimiertes Wissen an die Lernenden weiterzugeben.

Ein wesentlicher Kritikpunkt, der im Zusammenhang mit E-Learning genannt wird, die Vernachlässigung der Didaktik, entfällt beim Video Publishing. Denn die angebotenen Videos sind keine schnell selbstgemachten Kurzanleitungen, wie man sie oft auf anderen Videoplattformen findet, sondern aufwendig produzierte Kurzfilme, die bestimmte Kriterien erfüllen müssen. So bemüht sich der Dozent darum, den Stoff gut artikuliert und verständlich an die Lernenden weiterzureichen.

Schauen Sie doch selbst bei der Pink University vorbei und gewinnen Sie einen Einblick in das Video Publishing – mit unserem Seminar zur professionellen Personalauswahl.

Vorteile von E-Learning

Vergleicht man E-Learning mit Präsenzseminaren, in denen sowohl Trainer als auch Teilnehmer „live“ vor Ort sind, hat E-Learning durchaus Vorteile.

An erster Stelle ist die Zeit- und Ortsunabhängigkeit zu nennen. Als Lernender ist man nicht mehr an feste Termine gebunden, zu denen man unter Umständen auch anreisen muss. E-Learning ermöglicht es, bequem von einem beliebigen Ort aus und zur gewünschten Zeit zu lernen.

Dabei unterstützt es verschiedene Aufnahmekanäle und spricht verschiedene Lerntypen an. Auf diese Weise hat jeder Teilnehmer die Chance, mit seinem E-Learning-Tool so zu lernen, wie es für ihn am besten passt – ob mit Videos, einem interaktiven Kurs oder einfach durch Lesen. Die private Umgebung ermöglicht darüber hinaus ein freieres Lernen. Insbesondere schüchterne und unsichere Personen trauen sich eher, ihre Meinung zu äußern, da die Scheu einer Bloßstellung vor anderen Seminarteilnehmern entfällt. Die Anonymität hilft, dass der Lernende eher bereit ist, etwas auszuprobieren und gegebenenfalls auch eine falsche Antwort zu riskieren.

Ein weiterer Vorteil des E-Learnings ist die Kostenersparnis. Da sämtliche Reise-, Unterbringungs- und Abstimmungskosten entfallen, handelt es sich um eine deutlich günstigere Bildungsoption als ein Präsenzseminar.

Webinare sind also eine flexible und unkomplizierte Möglichkeit der Wissensvermittlung. Die Tatsache, dass sich Teilnehmer und Trainer nicht gemeinsam an einem Ort einfinden müssen, erleichtert die Organisation. Mehr Leute können gleichzeitig miteinander lernen, sich vernetzen und ein standort- und länderübergreifendes Lernen wird unkompliziert ermöglicht. Webinare bieten noch einen spezifischen Vorteil gegenüber anderen E-Learning Formen: Die Anwesenheit eines Trainers. Studien haben bewiesen, dass der Erfolg bei E-Learning Angeboten durch den Einsatz eines Trainers verbessert wird.

Der ausschlaggebende Vorteil und der spezifische Reiz am Video Publishing liegt in der schnellen Wissensvermittlung. Die Videos sind kurz und auf das Nötigste komprimiert, damit der Zuhörer ohne unnötiges Ausschweifen das erfährt, was er wirklich lernen möchte. Dabei lernt er von Experten und kann so gewiss sein, dass er korrekte Informationen erhält.

Des Weiteren kann der Lernende das Tempo selbst bestimmen: Er kann ein ganzes Seminar innerhalb eines Tages absolvieren, kann es aber auch über mehrere Monate strecken. Um das Wissen zu verinnerlichen oder nach einiger Zeit wieder aufzufrischen, besteht zudem die Möglichkeit, sich die Videos jederzeit wieder anzuschauen.

Nachteile von E-Learning

Natürlich gibt es auch wichtige Aspekte, die beim E-Learning nicht oder nur unzureichend aufgegriffen werden. E-Learning eignet sich nicht, um konkrete Verhaltensweisen zu trainieren. Das Erlernen von handwerklichem Wissen oder auch von Soft Skills ist virtuell schwer vermittelbar und neues oder geändertes Verhalten kann nicht erprobt werden. Die Verankerung des Gehörten im eigenen Handeln findet somit nicht statt.

Beachtet werden muss ebenfalls, dass man für die Nutzung von E-Learning Angeboten sehr viel Selbstdisziplin und Selbstlernkompetenz benötigt, was gleichzeitig die sehr hohe Abbruchquote von E-Learning Kursen erklärt.

Ein weiterer Kritikpunkt besteht in dem reduzierten sozialen Kontakt. Viele Unternehmen nutzen Präsenzseminare nicht nur zur Wissensvermittlung, sondern auch zur Vernetzung der Mitarbeiter miteinander. Das passiert im laufenden Seminar, vor allem aber in den Pausen und im Rahmen eines informellen Abendprogramms. Die Teilnehmer von E-Learning Angeboten hingegen sind nur virtuell miteinander vernetzt, was den sozialen Kontakt im Alltag nicht fördert.

Eine wichtige Voraussetzung für gelungene Webinare ist eine schnelle, stabile Internetverbindung und eine insgesamt funktionierende Technik. Dies gilt für beide Seiten: Für Trainer wie auch für jeden einzelnen Teilnehmer. Ist dies nicht gegeben, stockt die Übertragung von Bild oder Ton bzw. funktioniert gar nicht, worunter die Qualität des Seminars stark leidet.

Ein weiterer Kritikpunkt liegt in dem Wegfallen der persönlichen und direkten Interaktion mit dem Trainer. Ein Teilnehmer kann das Training verlassen, ohne dass der Trainer dies bemerkt. Auch ein „sich aufeinander Einlassen“ findet nicht statt, da kein persönlicher Kontakt entsteht.

Zwar unterstützt die Software die Möglichkeit, dass Teilnehmer dem Trainer Fragen stellen, doch kann der Trainer den Teilnehmern nicht ins Gesicht schauen und abschätzen, wie sie sich fühlen. In einer klassischen Seminarsituation würde ein Trainer erkennen, wenn die Teilnehmer nicht mehr folgen können oder das Interesse verloren haben. Da dies im Rahmen des Webinars nicht möglich ist, entfällt eine rasche, teilnehmerspezifische Reaktion des Trainers.

Beim Video Publishing muss kritisch angemerkt werden, dass es sich immer nur um einen komprimierten Wissensausschnitt handeln kann, den sich die Teilnehmer aneignen können. Insbesondere Spezifika und detailliertere Informationen werden vernachlässigt und eine Vermittlung des tatsächlich relevanten Wissens darf bei dem Umfang der Videos nicht erwartet werden. Ebenso kann nicht sichergestellt werden, dass die Fragen der Video-Betrachter vollumfänglich beantwortet werden. Bei einem Präsenzseminar steht der Dozent den Teilnehmern für Fragen zur Verfügung.

Viele der Videos wirken zudem „künstlich“ und sind nicht so authentisch, wie eine persönliche Schulung. Die Aufmachung als „Lehrvideo“ wirkt auf viele Teilnehmer eher abschreckend, weil dies mit negativen Assoziationen verbunden ist, z. B. Erinnerung an Lehrfilme aus dem Schulunterricht, Erläuterung von Sicherheitshinweisen im Flugzeug etc.

Fazit

Alle Formen des E-Learnings bieten sich besonders dann an, wenn Zeitmangel besteht. Da die Anreise entfällt, wird die Terminplanung deutlich flexibler. Auch die Einbindung des Lernens in den persönlichen Tagesablauf wird ermöglicht. Aus diesem Grund glauben wir, dass das E-Learning auch in den kommenden Jahren weiter an Bedeutung gewinnen wird und als Schulungsmethode nicht mehr wegzudenken ist. Insbesondere gilt dies für Themen, bei denen die reine Wissensvermittlung im Vordergrund steht, z. B. im Rahmen von Produktschulungen oder dem Erlernen einer neuen Software.

Der technologische Fortschritt wird es ermöglichen, dass Selbstlern-Programme entwickelt werden, die das Lernen mit dem Smartphone oder Tablet-PC ermöglichen. Es wird möglich sein, zu jeder Zeit an jedem Ort z. B. die eigenen Spanischkenntnisse aufzufrischen oder seine Verhandlungskompetenzen zu verbessern.

Doch eine Entwicklung wird sicher nicht eintreten: Angebote aus dem Bereich des
E-Learnings werden keine Alternative zum Präsenzseminar darstellen können. Zu viele Trainingsinhalte sind nicht optimal mit E-Learning Tools vermittelbar, v. a. verhaltensorientierte Themenkomplexe. E-Learning wird weiter an Bedeutung gewinnen, aber eine sehr interessante Ergänzung zum Präsenzseminar bleiben.

Über den Autor

Michael Lorenz

Michael Lorenz ist Gesellschafter und Geschäftsführer der grow.up. Managementberatung. Er arbeitet in seiner Funktion als Managementberater, Trainer und Coach. Vorher war er Geschäftsführer und Partner der Kienbaum Management Consultants GmbH und leitete den Geschäftsbereich Human Resources Management. Seit 1988 berät Michael Lorenz nationale und internationale Kunden in Fragen der Strategie, der Personalentwicklung und der Management-Diagnostik.

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