Reflektiert statt Bauchgefühl – Selbstreflexion für einen entspannten Führungsalltag

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Viele Unternehmen sind in der Entwicklung und Qualifikation von Führungskräften gut aufgestellt. Oft gibt es ein breites Angebot an Seminaren in dem Führungswissen und Tools vermittelt werden.

Für uns ist das ein sehr wichtiges und richtiges unternehmerisches Investment. Damit dies aber die gewünschte Wirkung zeigt, ist es aus unserer Erfahrung wichtig, bei den Führungskräften erst einmal eine Offenheit für den eigenen Qualifizierungsbedarf zu schaffen. Warum sollte ich dies oder jenes lernen? Warum ist es wichtig für mich dieses Verhalten weiter intensiv zu nutzen, an einer anderen Stelle aber eine ganz neue Verhaltenskompetenz aufzubauen?

Damit Führungskräfte mit hoher Eigenmotivation im Wissens und Kompetenzaufbau da ansetzen können, wo es für sie und das Unternehmen den größten Mehrwert bietet, sollte ein Schritt den Qualifizierungsprozess immer einleiten: Selbstreflexion und Selbsterkenntnis.

Warum ist Selbstkenntnis so wichtig?

Nur, wenn Führungskräfte sich selbst, ihre Motive und ihr unbewusst bevorzugtes Führungsverhalten kennen, können sie gezielt und bewusst die Verhaltenskompetenzen aufbauen mit denen sie ihr individuelles Führungsverhalten erweitern und sich selbst für die Herausforderung „Mitarbeiterführung“ gut aufstellen.

„One fit for all“, ist ein teures Investment, zu viel verpufft, weil immer nur ein Teil der Führungskräfte im Seminar mit den angebotenen Inhalten erreicht werden.

In diesem Blog-Beitrag zeigen wir warum Selbstreflexion und Selbsterkenntnis für gute Führung und für nachhaltigen Kompetenzaufbau so wichtig ist.

Selbstreflexion in der Führung ja, aber wie?

Selbstverständlich können Sie für sich selbst über Ihre eigenen Werte, Kompetenzen, Stärken und Schwächen nachdenken. Aber es ist gar nicht so leicht ehrlich auf sich selbst zu schauen und dann die richtigen Ableitungen für das eigene Führungshandeln zu treffen. In Seminaren erlebe ich oft, dass Führungskräfte hier eher in Allgemeinplätzen stecken bleiben. Das verwundert auch nicht, denn meist haben Sie keine Basis, auf der ihre Selbstreflexion erfolgen kann. Ihnen fehlen Modelle und Tools, die einen tieferen Blick in die eigene Wertewelt überhaupt erst ermöglichen.

Selbstreflexion als Führungskraft mit dem LUXXprofile

Ein Tool, welches viel mehr als eine differenzierte Selbstreflexion und Selbsterkenntnis ermöglicht, ist das LUXXprofile (s. Kasten 1). Es beschreibt unsere Persönlichkeit anhand von 16 voneinander unabhängigen, expliziten Motiven in ihrer Individualität und Einzigartigkeit. Es erlaubt Ihnen zu verstehen, welche Werte, Motive und Emotionen Ihre eigene Wahrnehmung, Ihr Denken und Handeln beeinflussen. Es ermöglicht Ihnen auf einer tieferen Ebene zu verstehen, wie Sie auf Menschen mit einer ganz anderen Motivausprägung wirken, wie Sie von Ihnen wahrgenommen werden und wie und wann Sie sie, ganz unbeabsichtigt, demotivieren und verletzen.

Wie kommen Sie zu einer wirklich erkenntnisreichen Selbstreflexion?

Der erste Schritt der Selbstreflexion ist, die eigenen Motivausprägungen kennenzulernen und ihre Bedeutung für Ihre Persönlichkeit sowie für die Eigen- und Fremdwahrnehmung zu verstehen. Hierfür erarbeiten Sie für sich ihr persönliches LUXXprofile.

Mit den Erkenntnissen aus dem LUXXprofile kann der zweite Schritt Ihrer Selbstreflexion beginnen. Er vertieft die Selbsterkenntnis und fokussiert sie auf das Thema Mitarbeiterführung:

  • was bedeuten meine Motivausprägungen für mein Führungshandeln?
  • was sind meine emotional bevorzugten Führungsstrategien?
  • wie prägen meine Motivausprägungen meine Erwartungen an meine Mitarbeitenden?
  • warum reagiere ich auf was positiv und auf etwas anderes kritisch oder ablehnend?
  • wie wirke ich mit meinem Führungshandeln auf meine Mitarbeitenden, welche Fremdwahrnehmung haben sie von mir?
  • wie nutze ich die Erkenntnisse aus dem LUXXprofile, um mein Führungshandeln gezielt weiterzuentwickeln?
  • usw.

Was ist der Nutzen Ihrer Selbstreflextion?

„Ich kenne mich doch“ werden Sie vielleicht sagen. Das stimmt, niemand kennt Sie besser, als Sie sich selbst. Was Sie nicht wissen ist, wie einzigartig Sie sind, wie andere Sie wahrnehmen, was Ihr Handeln emotional bei anderen bewirkt und warum Sie so handeln wie Sie es tun. Die expliziten Motive, die für all das verantwortlich sind, zeigt Ihnen Ihr individuelles LUXXprofile.

Anstatt aus einem (emotionalen) Impuls zu handeln, wissen Sie über Ihre Selbstreflexion:

  • welche Werte und Motive Ihre Wahrnehmung und Bewertung von Menschen, Situationen oder Leistungen beeinflussen?
  • wie sich welches Führungsverhalten auf Ihre unterschiedlichen Mitarbeiter*innen auswirkt, ist es motivierend oder demotivieren. (Was Sie motiviert kann für einzelne Mitarbeiter*innen durchaus demotivierend sein.)
  • Warum Ihnen manches so wichtig ist und was Ihre emotionalen Belohnungen (Motivbefriedigung) sind?

Und Sie können auf der Basis der neuen Erkenntnissen reflektieren:

  • was situativ und mitarbeiterbezogen das wirksamste Führungshandeln ist?
  • wie Sie auch, wenn dies nicht Ihrer eigenen Emotion entspricht, die Situation erfolgreich für alle gestalten können?

Dieses Vorgehen erfordert am Anfang ggf. etwas mehr Anstrengung, aber der Erfolg wird Sie darin bestärken an diesem Vorgehen festzuhalten.

Ein Beispiel des Nutzen für ein alltägliches Führungshandeln: Feedback geben

Nehmen wir an nachfolgendes LUXXprofile gehört der Führungskraft Paul Muster.

Für unser Beispiel schauen wir nur auf das Motiv SOZIALE ANERKENNUNG: Alle anderen Motive beachten wir jetzt nicht. Für sie gelten aber die gleichen grundlegenden Überlegungen.

Führungskraft Paul Muster

Paul Muster hat eine starke BLAUE Ausprägung im Motiv „SOZIALE ANERKENNUNG“.
Für sein eigenes emotionales Erleben heißt das, er

  • verfügt über ein stabiles, aus sich selbst generiertes Selbstbild
  • fühlt sich selbstbewusst und wird durch sein Handeln auch so von außen wahrgenommen
  • lernt aus Fehlern und mag Aufgaben, bei denen es um try und error geht. Scheitert er, ist das nicht selbstwertrelevant für ihn, sondern eine Chance etwas zu lernen
  • überzeugt ist, dass Kritik positiv ist. Sie zeigt Fehler auf, aus denen man lernen kann. Paul kritisiert andere, um ihnen zu helfen Fehler zu erkennen und Dinge besser zu machen
  • Lob und Anerkennung nett findet, aber nicht notwendig und auch nicht sehr hilfreich. Paul weiß was er kann und was nicht.

Wenn Paul sein Profil sieht, weiß er all das von sich. Was er nicht weiß ist,

  • wie sehr er sich mit seiner Motivausprägung von anderen Menschen unterscheidet (nur ca. 4% teilen seine Emotionalität. Das zeigt die Länge des blauen Balkens in seinem Profil. Der gibt an, wie bedeutsam die Motivation „selbstbewusst Handel“ für Paul ist),
  • dass nicht alle die Welt so sehen wie er, auch wenn er sein Denken und Handeln aus diesem Motiv als völlig normal erlebt
  • wie sehr er mit seiner lernorientierten Kritik andere verletzen, demotivieren und verunsichern kann,
  • wie hart und kalt andere ihn wahrnehmen können,
  • wie sehr sich seine Eigen-von der Fremdwahrnehmung unterscheiden kann
  • ….usw.

Wie soll Paul Muster seine, wahrscheinlich sehr unterschiedlichen, Mitarbeiter individuell richtig führen können, wenn er all das von sich selbst nicht weiß?

In Feedbacksituationen wird es Paul Muster wichtig sein, seinen Mitarbeitern*innen ihre Fehler aufzuzeigen, damit sie etwas lernen und die Dinge das nächste Mal richtig machen können. Er weiß aus den Reaktionen seiner Mitarbeiterinnen, dass das nicht alle mögen. Für ihn ist es aber richtig. Deswegen wird er ohne Selbstreflexion so weiter machen.

Aus seiner Selbsterkenntnis mit dem LUXXprofile wächst das Bewusstsein, dass viele seiner Mitarbeiter*innen für ein motiviertes Arbeiten ein ganz anderes Führungshandeln brauchen, als das was Paul Muster für sich selbst richtig findet. Mitarbeiterreaktionen, die er bisher nicht verstanden hat, und seien wir ehrlich, die ihn auch genervt haben, bekommen plötzlich eine ganz andere Bedeutung.

Jetzt kann Paul Muster lernen, wie Mitarbeiter*innen mit einer entgegengesetzten Ausprägung im Motiv „SOZIALE ANERKENNUNG“ fühlen und denken und was sie von ihm als Führungskraft brauchen. Mit dem Wissen, dass sie:

  • ihr Selbstbild aus der positiven Rückmeldung von anderen generieren
  • kein stabiles positives Selbstbild aufbauen, sondern dieses rein situativ und abhängig von dem positiven Feedback ist, welches sie bekommen
  • Kritik immer als verletzend und demotivierend erleben
  • Lob und Anerkennung als Leistungsgrundlage brauchen und aus Lob lernen
  • immer bemüht sind Fehler zu vermeiden und Dinge perfekt machen wollen

kann Paul, wie jede andere Führungskraft auch, jetzt sehr gezielt entsprechende Verhaltenskompetenzen aufzubauen und in seiner Führung gegenüber allen Mitarbeiter*innen wirksamer und erfolgreicher werden.

Selbstreflexion – was ist Ihr besonderer Nutzen

Na klar, gibt es Menschen, die machen intuitiv alles oder zumindest sehr, sehr viel richtig in der Mitarbeiterführung und es gibt Menschen, die eine unglaublich feine und differenzierte Selbstwahrnehmung haben. Aber ganz ehrlich wie viele sind das denn, und gehöre ausgerechnet ich dazu oder Sie? Wenn wir nicht dazu gehören, brauchen wir ein vernünftiges Tool für unsere Selbstreflexion, eines was uns auch wirklich weiterbringt.

Kennen Sie den Spruch „Mitarbeiter da abholen wo sie stehen“? Wie soll ich das tun, wenn ich nicht weiß, wo ich selber stehe. Um die Bedürfnisse, Motivation und Emotion Ihrer Mitarbeiter zu verstehen, müssen Sie diese erst einmal von sich selber kennen. Dann können Sie fragen, wie die verschiedenen Motive bei Ihren Mitarbeiter*innen ausgeprägt sind und wie Sie sie motivorientiert führen können. Aufgezeigt haben wir das nur Für das Motiv SOZIALE ANERKENNUNG. Es gibt 15 weitere Motive für die das gleiche Grundprinzip gilt.

Allein dieser Gedanke zeigt schon den großen Nutzen der Selbstreflexion mit dem LUXXprofile auf. Aber der Nutzen oder Gewinn reicht noch viel weiter. Wenn ich mich selber kenne und vor allem das „Warum“ meines Handelns verstehe, habe ich ganz andere Ansatzpunkte für ein effektives Selbstmanagement.

Verhaltensveränderungen funktionieren nicht, wenn ein neu zu lernendes Verhalten meine Motive nicht positiv bedient. Dieses veränderte Verhalten fühlt sich falsch und nicht zielführend an. Vielleicht haben Sie selber schon erlebt, dass sie ein solches Verhalten dann nicht beibehalten. Und die guten Tipps von anderen helfen auch nur, wenn eine gleiche Motivausprägung vorhanden ist. Die Kenntnis der eigenen Motive öffnet hier also ganz neue Türen und Möglichkeiten für ein wirklich verbessertes Selbstmanagement.

Nicht viel anders ist es bei Konflikten: Die Frage“ worum geht es hier eigentlich“ aus dem Konfliktmanagement kennen Sie vielleicht. Dann wissen Sie auch, wie schwer diese zu beantworten ist. LUXX zeigt wo die Verletzungen liegen und wie der Konflikt emotional begründet ist und dann kann er auch gelöst werden.

Sie haben als Führungskraft mit dem LUXXprofile die Chance zu erfassen, wie unterschiedlich Menschen in Ihrer Organisation sind. Sie können jetzt lernen dies in einer individualisierten Mitarbeiterführung umzusetzen und die Kompetenzen aufbauen, die Sie brauchen, um alle Mitarbeiter*innen in Ihrem Verantwortungsbereich richtig, also leistungsmotivierend zu führen.

Schauen wir noch einmal auf unser Beispiel: Wenn Sie in Ihrem Profil z.B. eine blaue Ausprägung im Motiv „Soziale Anerkennung“ vorfinden und Ihre Mitarbeitenden eine ähnliche Ausprägung in diesem Motiv haben, können Sie Ihre Mitarbeitenden hinsichtlich Kritik und Anerkennung so führen, wie Sie es für sich selbst als richtig empfinden. Diese Mitarbeitenden teilen ihre Emotionalität in diesem Motiv. Für Mitarbeitenden mit einer entgegengesetzten Motivausprägung können Sie lernen, bewusst oft zu loben und anstatt zu kritisieren, das Ergebnis zu benennen, welches für Sie eine gute Arbeitsleistung ist. Loben Sie dieses Ergebnis dann deutlich, werden Sie feststellen, dass Ihre Mitarbeitenden mit viel Einsatzbereitschaft die Ergebnisse bringen, die Sie als gute Leistung beschreiben. Die Mitarbeitenden werden sich anstrengen die Ergebnisse zu produzieren, für die sie die Anerkennung von Ihnen bekommen. Reagierten diese Mitarbeitenden bisher emotional negativ und mit nachlassender Leistung auf Kritik, werden Sie jetzt über die Anerkennung und die nicht mehr erfolgende Kritik viel Leistungsfreude und motivierte Mitarbeiter*innen erleben. Eine win-win Situation für alle!

Mit Hilfe der Selbstreflexion der eigenen Motivation gewinnen Sie als Führungskraft die Erkenntnis und die Handlungskompetenz Ihre Mitarbeitenden individuell zur besten Leistung zu führen. Spezifische Auswertungen zum eigenen Profil unterstützen diesen Selbsterkenntnisprozess. So ist es möglich, dezidiert abzuleiten, wie sich die eigene Persönlichkeit auf das emotional bevorzugte Führungsverhalten auswirkt und welche positiven Führungsaspekte damit verbunden sind, aber auch, wo bei einem unreflektierten Handeln die Gefahren zur Demotivation von Mitarbeiter*innen liegt. Darüber hinaus können Sie handlungsorientierte Anleitungen bekommen, welches Führungshandeln bei welcher Motivausprägung am stärksten auf die Leistungsbereitschaft und Bindung der Mitarbeitenden einzahlt. Damit wird Führung leicht und erfolgreich. Ergebnis einer Selbstreflexion und Selbsterkenntnis, die sich lohnt!


Interessieren Sie sich näher für wirklich wertschätzende, individuelle und leistungsorientiert Führung? Dann möchten wir Ihnen unser neues Buch „Sinnhaft führen“ (ISBN: 978-3-658-29867-8, erhältlich über amazon.de) ans Herz legen. Hier wird zeigt leicht lesbar aufgezeigt, wie man die Motiv- und Antriebsstruktur der Mitarbeiter erkennt und diese insgesamt zu mehr Leistung führen kann. Nachvollziehbare Beispiele liefern wertvolle Entscheidungshilfen für verschiedene Fragen in Führung und Zusammenarbeit. Das eigene Verhaltens- und Handlungsspektrum wird fundiert erweitert.

About Author

Christiane Musiol ist ausgebildete Industriekauffrau und seit Oktober 2017 als Projektassistentin bei grow.up. tätig.

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