Status war gestern: Frauen und Macht in Zeiten von New Work

1

In meinen Trainings begegnen mir regelmäßig sehr gut qualifizierte Frauen. Wenn es um Karriere und Erfolg geht, schildern sie oft diese Motivationskiller: berufliche Umfelder, in denen Status und Selbstdarstellung sowie politische Ränkespiele Zeit und Nerven kosten. Wer hat das größte Büro mit der tollsten Ausstattung? Wer das beste technische Equipment? Wer das größte Firmenauto? Wer verdient am meisten? Und wer hat die meisten Mitarbeiter? All diese Dinge – sie gelten als Insignien der Macht – sind für viele Frauen nicht so wichtig, manchen sind sie sogar regelrecht zuwider. Für sie sind ihr inhaltlicher Beitrag und eine sinnvolle Arbeit zu leisten, deutlich wichtiger als Status, Karriere und Macht.

Führen ohne Macht gibt es nicht – und nun?

Macht wird von Frauen allerdings häufig als etwas Negatives gesehen. Dabei lohnt es sich, sich mit dem Thema näher auseinanderzusetzen und den eigenen Umgang mit Macht zu reflektieren. Denn: Macht ist nicht per se negativ, sie hat durchaus auch positive Seiten.

Allem vorweg bedeutet Macht Kraft, Vermögen und Können. Das ist ja nichts Schlechtes – im Gegenteil!

Macht umfasst weiterhin alle legalen und legitimen Möglichkeiten, Einfluss zu nehmen und Festlegungen zu treffen, um sich durchzusetzen. Letztlich funktioniert keine Organisation, keine Arbeitsgruppe ohne Macht – nicht zuletzt, weil sie für Klarheit, Sicherheit, Orientierung und Effizienz sorgt. Vor allem aber bedeutet Macht zu haben und zu ihr zu stehen, Verantwortung haben und zur Verantwortung gezogen zu werden. Macht und Verantwortung sind quasi aneinandergeschweißt wie siamesische Zwillinge. Das heißt: Als mächtige Person im Unternehmen haben Sie Rollen- und Aufgabenverantwortung, Selbstverantwortung und soziale Verantwortung. Dabei entspricht Macht als Verantwortung der menschlichen Fähigkeit, nicht nur zu handeln, sondern sich mit anderen zusammenzuschließen und im Einvernehmen mit ihnen zu handeln. Wie der Soziologe und Experte für Organisationsentwicklung Stefan Kühl betont, ist Macht eine Austauschbeziehung, die zwar asymmetrisch, aber stets wechselseitig ist: Eine Person kann die eigenen Auffassungen nur dann durchsetzen, wenn eine andere Person auch bereit ist, ihr zu folgen!

Weg von „Ober sticht Unter“

Jede Einzelne muss für sich selbst beantworten, was für sie und ihr Handeln „sozial“ und „Verantwortung“ bedeuten. Tun Sie das! Damit klären Sie automatisch, was Macht für Sie bedeutet und wie Sie sie ausüben möchten! Viele Frauen (und ganz sicher auch viele Männer!) werden sich in Machtstrukturen besser wiederfinden können, die auf eine langfristig effektive Zusammenarbeit und freiwillige Gefolgschaft ausgerichtet sind und nicht auf das direktive Durchregieren aus der Funktionsmacht heraus. Und die Anforderungen an eine zeitgemäße Führungsarbeit sind ganz auf Ihrer Seite. Denn im Zuge von VUCA, New Work und agilem Arbeiten ist ein Führungsstil, der allein auf disziplinarischer Macht beruht, nicht mehr erfolgreich. Insgesamt geht die Entwicklung in den Unternehmen immer weiter weg von Funktionsmacht und Hierarchiedenken hin zu Beteiligung von Kunden und Mitarbeitenden, kollaborativen Arbeitssettings und menschenorientierter Führung.

Machtverschiebung durch laterales Führen

Command and Control hat also ausgedient, laterales Führen – Führen von der Seite statt klassisch von oben – ist angesagt. Das dürfte so mancher weiblichen Führungskraft entgegenkommen, geht es hier doch um eine Steuerung von Menschen und Teams, bei der feminine Eigenschaften wie Einfühlungsvermögen und Beziehungsorientierung eine wichtige Rolle spielen. Und folgende Faktoren für eine erfolgreiche Führung sind dadurch wichtiger denn je: Überzeugen als Persönlichkeit durch ein für die Mitarbeiter kalkulierbares, stabiles Handeln und Verhalten sowie eine Führung und Kommunikation, die Orientierung und Sinn stiftet, Vertrauen schafft und auf Verständigung setzt.

Und da Frauen die inhaltliche Arbeit in der Regel wichtiger ist als Status und das Ausüben von Macht durch Anweisungen und Kontrolle, dürfte ihnen dieses Führungsverständnis nicht schlecht schmecken. Die Türen jedenfalls stehen offen. Lassen Sie uns durchgehen!


Frauen im Männer-dominierten Business-Umfeld – damit befasst sich auch unser Podcast Shine bright – Souveräner Auftritt im Männderdschungel

 

Um Frauen dabei zu unterstützen, sich im Business zu behaupten, bietet grow.up. spezielle Trainings an, beispielsweise dieses:

Über den Autor

Andrea Osthoff

Andrea Osthoff ist Associate Partner der grow.up. Managementberatung und als Trainerin, Beraterin und Coach im Einsatz. Bevor sie zu grow.up. kam, war sie Führungskraft im HR-Bereich und hat in Recruiting, Personalentwicklung und Change Management gearbeitet.

1 Kommentar

  1. Pingback: Frauen, Macht und Führung | Bildungsmanagement.guru

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Send this to a friend