Von Gen Y über Gen Y – oder go with the flow

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Ich bin eine Gen Y! Manchmal hab ich das Gefühl, dass Personen dieser Generation ihre Zugehörigkeit zur Gen Y äußern, als käme dies einer Beichte gleich. Denn die Klischees und Vorurteile, oder viel mehr das Unverständnis für die Werte dieser meiner Generation, sind groß.

Die Gen Y – Ein bisschen unverschämt sind sie ja schon

Die Gen Y strömt gerade den Arbeitsmarkt und ihre Vorstellungen an die Arbeitswelt werden teilweise als illusionär, überzogen, gar unverschämt nicht unbedingt böswillig aber sehr skeptisch beäugt oder gar belächelt. Nicht schlimm. Auch ich selbst mache Witze über die Gen Y, über mich selbst. Arbeit muss Spaß machen, abwechslungsreich sein, genug Freiraum bieten, Wachstum ermöglichen, eine gute Work-Life-Balance bieten und vor allem sinnhaft sein. In den meisten Köpfen entsteht so ein Bild einer jungen Generation, die gemeinsam im Bällebad tobt, hin und wieder ihre E-Mails checkt, zur Abwechslung ein bisschen arbeitet (aber bloß nicht zu viel) und wenn es zu langweilig wird nach Hause geht.

Zeiten ändern sich – Neue Anforderungen schaffen neue Forderungen

Die Veränderungen, die mit neuen Technologien, Digitalisierung, Globalisierung und demografischem Wandel einhergehen, verändern die Arbeitswelt drastisch. Die Gesellschaft ändert sich von einer Industriegesellschaft zu einer Wissensgesellschaft – wo früher straffe Führung im klassischen Sinn die Norm war, wird heute von den meist hoch qualifizierten Gen Ys Transparenz, Mitgestaltung und Erklärung gefordert. Der Sinn der Arbeit rückt mehr und mehr in den Vordergrund. Hören wir dies, kommen uns gleich wieder die nächsten Bilder in den Kopf: Menschen, die irgendwo rumhocken, übers Leben nachdenken, Yoga machen, meditieren und während dessen natürlich nicht arbeiten.
Wir müssen nicht um das Überleben bangen und körperlich schwer arbeiten, damit wir unser Überleben absichern. Wissen als Gut gewinnt immer mehr an Bedeutung. Bildung und Weiterqualifizierung wird unumgänglich und für die Gen Y selbstverständlich. Gerade hochqualifizierte Berufseinsteiger sind immer weniger bereit, sich Bedingungen von Arbeitgebern anzupassen, die nicht ihren Vorstellungen und Bedürfnissen entsprechen. Das Ziel ist, im Job glücklich zu werden – der Sinn der Arbeit wird also regelmäßig hinterfragt.
Wann haben Sie sich das letzte Mal Gedanken gemacht, ob Ihnen Ihre Arbeit Spaß macht? Ob Sie ein erfülltes Leben führen? Oder sehr krass gefragt: Was würden Sie tun, hätten Sie nur noch zwei Jahre zu leben? Würden Sie etwas ändern oder alles so beibehalten? Nach meinem Gefühl beschäftigt sich die Gen Y viel früher mit solchen Fragen. Natürlich nicht alle. Ich möchte hier auf gar keinen Fall generalisieren, denn das sehe ich als ein weiteres großes Problem an – die Gen Y will nicht arbeiten, die wollen doch alle nur Spaß. Diese Annahme trifft sicherlich auf manche der Gen Y zu, auf andere aber eben auch nicht.
Es ist Samstag, 11:06 Uhr, und ich sitze auf der Dachterrasse mit einer Tasse Kaffee und schreibe diesen Beitrag. Nicht weil ich es muss, sondern weil ich es will. Weil ich Lust darauf habe und es für sinnhaft halte, mir über dieses Thema Gedanken zu machen. Es macht mir Freude, Spaß!
Das bringt mich zum nächsten Punkt.

Work-Life-Balance – Mehr Freizeit, weniger Arbeit

Mit der Forderung einer guten Work-Life-Balance wird meist der Schluss gezogen, dass die Gen Y doch eh nur mehr Freizeit haben möchte, mehr Spaß eben. Und jetzt kommt‘s: Wird etwas als sinnhaft empfunden, engagieren sich die Gen Ys auch häufig über den Job hinaus. Arbeit und Privatleben werden somit nicht mehr streng getrennt, sondern verschmelzen zunehmend. Schließlich gehören die Gen Y den Digital Natives an – das Internet und technologische Möglichkeiten gehören zum Lebensalltag. Arbeiten von überall aus ist möglich und nichts Besonderes mehr. Dennoch legt die Gen Y viel Wert auf Freiraum für Privates. Private Angelegenheiten sollten auch während der Arbeitszeit geregelt werden können, gleichzeitig ist man jedoch auch bereit, bei Bedarf in der Freizeit zu arbeiten (absolventa, 11.04.2019). Flexibilität ist hier das Stichwort. Gearbeitet wird also doch, nur eben anders!

Den Wertewandel als Chance sehen – Der Zauber der sinnhaften Arbeit

Anders heißt nicht schlechter, sondern eben nur den älteren Generationen unbekannt. Und das ist völlig nachvollziehbar. Ich frage nochmal: Finden Sie Erfüllung in Ihrer Arbeit? Macht Ihnen Ihre Arbeit Spaß? Jetzt mag mancher denken, dass das nicht immer möglich ist – manche Dinge müssen einfach getan werden. Ja, manche Dinge müssen getan werden und nicht alle davon machen immer Spaß. Darum geht es auch nicht, es gibt Tätigkeiten, die machen einfach keinen Spaß und bieten nur wenig Erfüllung. Wichtig ist dabei auch vielmehr, dass die Mehrheit (nicht alle) der Tätigkeiten als erfüllend, sinnhaft und befriedigend erlebt wird. Was der eine oder andere als erfüllend erlebt, ist dabei ganz unterschiedlich. Das hängt von unseren Motiven, unseren persönlichen Bedürfnissen ab. Können wir diese durch unsere Arbeit weitestgehend befriedigen, macht die Arbeit Spaß und wird als sinnvoll erachtet – der Sinn besteht dann in der Befriedigung unserer Motive (weitere Informationen).

Vom Sinn zum Flow – Arbeit muss Spaß machen

Gelingt es, dass wir entsprechend unserer Bedürfnisse arbeiten, sind wir im Flow – dem wohl wünschenswertesten Zustand einer Tätigkeitsausführung. Im Sport ist dieses Phänomen schon gang und gäbe – in der Arbeitswelt sollte es das auch sein. Nach dem Flow oder auch Erfüllung und Spaß in der Arbeit zu streben, ist nicht unverschämt, sondern sehr clever. Es fördert Leistung, Zufriedenheit und letztendlich auch die Gesundheit, weil wir annehmen, dass dies Stresserkrankungen, wie beispielsweise Burn-out, vorbeugt. Daher sollte die Sinnfrage nicht nur auf die Gen Y beschränkt, sondern auf alle Generationen ausgedehnt werden. Das heißt aber auch eine tiefere Beschäftigung mit sich selbst und im Arbeitsleben eben mit den eigenen Mitarbeitern. Um Fragen wie „Was braucht wer, um gut arbeiten zu können?“, „Welche Bedürfnisse liegen meinen Mitarbeitern zugrunde?“, „Was wird von wem als sinnhaft empfunden?“, „Was macht wem Spaß?“ werden Führungskräfte der jungen Generationen nicht drum herumkommen. Gut so, aber vergessen Sie nicht, diese Fragen auch auf Ihre Mitarbeiter älterer Generationen anzuwenden.
Wir verbringen einen Großteil unserer Lebenszeit mit Arbeit – warum sollte sie also nicht Spaß machen? – Die Frage einer Gen Y –

In diesem Sinne … Auf geht’s ins Bällebad … Suchen Sie Ihre Erfüllung und den Flow (Ihren eigenen und den Ihrer Mitarbeiter)

Wenn Sie mehr darüber wissen möchten, wie die junge Generation lernt, wie sie denkt und wie sie arbeitet, ist unser Buch Generation Young die richtige Lektüre für Sie.

 

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Quellen:

  • Studie des Zukunftsinstitutes. Gen Y: Das Selbstverständnis der Manager von morgen. Download unter:
    https://www.zukunftsinstitut.de/fileadmin/user_upload/Publikationen/Auftragsstudien/studie_generation_y_signium.pdf
  • https://www.absolventa.de/karriereguide/berufseinsteiger-wissen/xyz-generationen-arbeitsmarkt-ueberblick

Über den Autor

Jessica Drescher

Jessica Drescher ist Psychologin (M.Sc.) und Junior-Beraterin. Seit Anfang 2016 ist sie bei der grow.up. Managementberatung beschäftigt. Ihr Werdegang hat sie über die Ausbildung als Gestaltungstechnische Assistentin hin zum Psychologie-Studium geführt. Unter dem Dach der Arbeits- und Organisationspychologie liegt ihr Schwerpunkt dabei im Bereich der Personalpsychologie mit Integration gesundheitspsychologischer Aspekte.

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