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Wer kennt sie nicht – bunte Online-Tests, die uns nach 12 Fragen feierlich verkünden:
Mehrere frische Karotten mit Grün auf dunklem Holzuntergrund, dazu der Text: „Dein Ergebnis: Karotte – Du bist wie die bodenständige Karotte.“ Symbolbild für humorvolle Selbsttests im Kontext psychologischer Persönlichkeitsdiagnostik.

Solche Persönlichkeitstests begegnen uns überall – ob auf Social Media, in Wartezimmern oder am Feierabend auf dem Sofa. Sie sind unterhaltsam, manchmal erstaunlich passend, meistens einfach absurd.
Aber sie stellen eine interessante Frage: Gibt es so etwas wie Persönlichkeit wirklich – und lässt sie sich messen?

Persönlichkeit ist kein Hokuspokus – sondern psychologisch messbar

Tatsächlich ist Persönlichkeit eines der meist erforschten Themen in der Psychologie. Über Jahrzehnte haben Forscher:innen untersucht, wie Menschen ticken – und warum sie in vergleichbaren Situationen völlig unterschiedlich reagieren.

Heute wissen wir: Persönlichkeit ist mehr als ein Gefühl oder ein Eindruck. Sie lässt sich systematisch erfassen – nicht in starren Typen oder Kategorien, sondern entlang grundlegender Dimensionen.

Die Big Five – das wissenschaftliche Rückgrat der Persönlichkeitsforschung

Das sogenannte Fünf-Faktoren-Modell – besser bekannt als Big Five – ist eins der am weitesten verbreiteten unter den Persönlichkeitsmodellen. Es beschreibt fünf zentrale Dimensionen, entlang derer sich Persönlichkeitsunterschiede systematisch erfassen lassen:

Extraversion
Erfasst das Ausmaß an Energie, Geselligkeit und Aktivierungsbereitschaft. Menschen mit hoher Extraversion zeigen sich häufig dominant, positiv-emotional und kontaktorientiert. Geringe Ausprägungen deuten auf introvertierte Tendenzen hin: eher zurückhaltend, beobachtend und reizsensibel.

Verträglichkeit
Beschreibt zwischenmenschliches Verhalten – z. B. ob jemand eher kooperativ, hilfsbereit und mitfühlend agiert oder sich eher durchsetzungsstark, konkurrenzorientiert und unabhängig zeigt.

Gewissenhaftigkeit
Spiegelt Planungsfähigkeit, Zielorientierung und Impulskontrolle wider. Eine hohe Ausprägung geht mit Verlässlichkeit, Struktur und Selbstdisziplin einher – geringe Werte eher mit Flexibilität, Spontanität oder geringerer Regelorientierung.

Offenheit für Erfahrungen
Bezieht sich auf kognitive und emotionale Offenheit gegenüber neuen Ideen, Ästhetik, Veränderung oder innerpsychischen Prozessen. Hohe Offenheit wird mit Kreativität, Neugier und Reflexionsfähigkeit assoziiert, geringe Offenheit mit Bodenständigkeit und Praktikabilität.

Emotionale Stabilität (vs. Neurotizismus)
Misst die Anfälligkeit für negative Emotionen wie Angst, Reizbarkeit oder Unsicherheit. Hohe emotionale Stabilität geht mit Gelassenheit, Stressresistenz und innerer Ausgeglichenheit einher.

Wichtig: Diese Dimensionen sind Kontinuen, d.h. man ist nicht „extravertiert“ oder „nicht extravertiert“, sondern bewegt sich auf einer Skala. Daraus ergibt sich ein für jeden Menschen individuelles Gesamtbild.

Motive – was uns wirklich antreibt

Während die Big Five beschreiben, wie wir uns typischerweise verhalten, geben Motive Aufschluss darüber, welche Ziele oder Zustände wir bevorzugt anstreben, warum wir uns also auf eine bestimmte Art und Weise verhalten.

Motive sind grundlegende psychologische Antriebskräfte – relativ stabil über die Zeit, emotional aufgeladen und oft nicht vollständig bewusst. Sie sagen aus, was uns motiviert, was wir vermeiden möchten und worauf wir unsere Energie richten.

Ein stark ausgeprägtes Sicherheitsmotiv zum Beispiel führt eher dazu, dass eine Person Stabilität, Berechenbarkeit und Verlässlichkeit sucht – während jemand mit einem hohen Einflussmotiv Gestaltungsspielräume, Sichtbarkeit oder Führungsverantwortung anstrebt.

Ein differenziertes Motivprofil ergänzt also die Big Five – es zeigt nicht nur, wie jemand agiert, sondern auch, wohin es ihn oder sie zieht.

Kompetenzen: Was mir liegt – und was mir leicht(er) fällt

Der dritte Baustein, der immer häufiger in Persönlichkeitsdiagnostik einbezogen wird, sind Kompetenzen, also Fähigkeiten, mit denen wir im Alltag erfolgreich Aufgaben lösen, kommunizieren oder entscheiden. Sie sind – anders als Charakter oder Motive – erlernbar, zeigen sich im Alltag aber typischerweise dort besonders stark, wo sie mit unserer Persönlichkeit harmonieren.

Ein Beispiel: Wer eine hohe Extraversion und emotionale Stabilität mitbringt, wird sich oft leichter in Rollen bewegen, die Präsenz, Spontanität und Interaktion erfordern – etwa in Vertrieb, Führung oder Moderation.
Wer dagegen eher zurückhaltend, gewissenhaft und strukturliebend ist, zeigt oft hohe Stärken in Analyse, Organisation oder Detailarbeit.

Diese Kombination aus Charakter, Motiven und Kompetenzen ergibt ein ganzheitliches Abbild der Persönlichkeit – ein Eindruck der weit mehr vermittelt als „Karotte oder Gurke?“

Und welches Gemüse bin ich jetzt??

Da müssen wir Sie leider enttäuschen. Auch wenn solche Onlinetests witzig sind, haben sie selten eine wissenschaftliche Grundlage – ABER wenn Sie wirklich etwas über sich und Ihre Persönlichkeit erfahren möchten, gibt es gute Nachrichten:

Es stehen heute wissenschaftlich fundierte Verfahren zur Verfügung – seriös, differenziert und praxistauglich. Wir bei grow.up. arbeiten mit einer Vielzahl solcher Tests: Wie z.B. dem LUXXprofile, dem BIP – oder auch dem besonders anschaulichen LINC Personality Profiler, der Big Five, Motive und Kompetenzen in einem integrierten Persönlichkeitsbild vereint.

Ob im Coaching, in der Führungskräfteentwicklung oder in Teamprozessen – so entsteht ein fundiertes Verständnis davon, was Menschen bewegt, wie sie handeln und worin ihre Stärken liegen.

Und keine Sorge: Am Ende steht nicht „Sie sind eine Karotte“,
sondern: „Jetzt wissen wir, was Sie ausmacht – und wie wir es nutzen können.“

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