Wie mache ich mein Unternehmen, meine Mitarbeiter fit für den digitalen Wandel?

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Wir befinden uns derzeit inmitten einer weiteren industriellen Revolution: in der digitalen Revolution. Was diese mitbringt, sind nicht nur neue digitale Technologien, neue Modelle und Methoden, neue Arbeitswelten/-räume, neue Arbeitsmethoden, neue Kommunikationsmöglichkeiten und generell Möglichkeiten für – ja scheinbar – fast alles. Was ebenfalls mit der digitalen Revolution einhergeht, sind zahlreiche Fragen und hier und da eine gewisse Portion Angst.

  • Wie wandelt sich mein Unternehmen?
  • Wie wird mein Arbeitsplatz morgen oder in einem halben Jahr aussehen?
  • Was bieten die neuen Möglichkeiten?
  • Wie baue ich als Führungskraft digitale Kompetenzen aus?
  • Wie werde ich zum Digital Leader?
  • Wie nehme ich meine Mitarbeiter mit?
  • Was brauchen meine Mitarbeiter für neue, digitale Kompetenzen?
  • Wie kann ich den Wandel gestalten?

Die Antworten – Eine Ernüchterung

Auf die meisten Fragen fand ich auf der Digital2018 (ein Messekongress zum Thema Digitalisierung) eine eher ernüchternde Antwort. Wie Arbeitsplätze in Zukunft aussehen, welche neuen Berufsfelder erschlossen werden und welche möglicherweise aussterben sowie welche spezifischen Kompetenzen in Zukunft gebraucht werden, kann nicht vorausgesagt oder – wenn überhaupt – nur erahnt werden. Die Digitalisierung ist schnell – viel zu schnell für uns Menschen. Maschinen und Computerprogramme verarbeiten Datenmenge in Millisekunden, die unser menschliches Gehirn nicht einmal annähernd in einer solchen Geschwindigkeit und Summe verarbeiten kann. Was also morgen, in einer Woche, in einem Monat oder in einem Jahr sein wird, ist ungewiss. Was dann für Kompetenzen erforderlich sind, wer weiß …

Nur keine Panik – Den Wandel schaffen

Das die Zukunft ungewiss ist, ist nichts Neues. Jeder Change-Prozess birgt eine gewisse Ungewissheit. Schaut man einmal nüchtern auf die digitale Revolution, ist diese eben auch ein „normaler“ Veränderungsprozess. Wir Menschen mussten uns schon immer an Veränderungen anpassen und haben dies auch fortlaufend getan. Herausfordernd und für manche beängstigend ist natürlich die rasende Geschwindigkeit in der die Digitalisierung jetzt Einzug erhält – wobei wir in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern in Sachen Digitalisierung eher hinterher hinken. Dennoch, es müssen Lösungen gefunden werden und diese am besten gestern schon, denn wie sollen wir sonst auf den Wandel vorbereitet sein? Wie sollen wir ihn schaffen?
Also für eine Vorbereitung ist es zu spät – denn wir stecken schon mitten drin. Wie wir den Change schaffen? Meiner Meinung nach mit einer noch stärkeren Fokussierung auf uns, auf den Menschen.

Was wir brauchen – Die Erfolgsfaktoren

Von den Experten des Digital2018 hörte ich auf die Frage, wie wir den Wandel schaffen und was wir dafür brauchen:

  • Mut,
  • Innovation,
  • Wandlungsbereitschaft und
  • Leidenschaft.

Wunderbar – dann kann ja nichts mehr schief gehen. Wuhhhuuu Digitalisierung wir kommen. Halt! So einfach ist es dann leider doch nicht. Sie kennen sicher eine Person, vielleicht ist es Ihr Kollege oder Ihre Kollegin, Ihr Mitarbeiter oder Ihre Mitarbeiterin oder gar Ihr Vorgesetzter oder Ihre Vorgesetzte, die mit der Einstellung und dem Grundsatz daherkommt, alles beim Alten zu lassen – das Neue ist doch zu ungewiss, zu anstrengend und wie soll das überhaupt bei uns funktionieren? Quuuieeetsch, der Zug der Veränderung ist soeben gestoppt.

Die Realität – Der Mensch

Wir Menschen sind nicht alle im selben Maße veränderungsbereit, mutig, innovativ und leidenschaftlich für eine Sache. Wenn Sie wirklich wissen wollen, wie Sie Ihre Mitarbeiter im digitalen Wandel mitnehmen können, dann schauen Sie hin, schauen Sie auf den Menschen. Mehr denn je kommt es auf eine Menschenzentrierung an. Leider wird diese in der Praxis allzu oft vergessen. Dies fokussierte und betonte auch einer der zahlreichen Experten der Messe, A. Mahlodji. Wir kümmern uns um Prozesse, Technologien, Voraussetzungen und Umsetzungen, neue Konzepte und Strategien, wir kümmern uns eben besten Gewissens irgendwie um den Change-Prozess. Zu wenig kümmern wir uns um den Menschen in diesem Prozess. Haben Sie die Person, welche Sie eben vor Augen hatten, mal danach gefragt, warum er oder sie gegen die Veränderung ist? Die Antwort „Weil früher alles besser war“ lassen wir an dieser Stelle nicht gelten, denn das ist ebenso oberflächlich wie ausweichend.

  • Was sind die Ängste, die Befürchtungen?
  • Was sind die Wünsche?
  • Was sind die Bedürfnisse/Motive?
  • Was braucht diese Person, um mitzugehen?

Auf alle Fragen gibt es nicht DIE eine Antwort. Hier wird jede Person etwas anderes antworten. Die individuellen Beweggründe zu ergründen und darauf individuell zu reagieren, d. h. jeden Mitarbeiter oder jede Mitarbeiterin bei seinen oder ihren Bedürfnissen abzuholen, ist aus meiner Sicht eine der wesentlichen Herausforderungen im digitalen Wandel und womöglich eine der wichtigsten Kompetenzen eines Digital Leaders. Dies braucht viel Reflexion und eine wirkliche Beschäftigung mit dem Menschen. Zukünftige Leader sollten sich demnach eher als Coaches ihrer Mitarbeitenden verstehen, die ihre Mitarbeitenden entsprechend ihrer Bedürfnisse, Stärken und Schwächen entwickeln und fördern und den individuellen Nutzen der Digitalisierung im jeweiligen Arbeits- und Funktionsbereich deutlich machen.

Praxistipp

Um die Bedürfnisse von Menschen zu erfragen und in diesem Fall auch deren Veränderungsbereitschaft, die sogenannte Change Readiness, einschätzen zu können, nutzen wir das LUXXprofile. Auf die Frage „Wie gelingt es mir, die Menschen durch den Change zu führen?“ bzw. „Was braucht wer, um den Change mitzugehen?“ können wir so eine persönlichkeitszentrierte und zugleich wissenschaftlich fundierte Antwort geben. Schauen Sie sich zu diesem Thema auch den Vortrag beim Digital Hub von Uta Rohrschneider und Peter Boltersdorf an. In diesem geben die beiden eine Antwort auf die Frage: Wie schaffe ich als Unternehmen den Wandel durch Motivation und Mitnahme der Mitarbeiter?
Aber auch ohne spezifisches Testverfahren ist der Blick auf und vor allem das Gespräch mit den Menschen – mit Ihren Mitarbeitenden – essentiell. Bleiben Sie im Gespräch und wandern Sie gemeinsam durch den Change-Prozess.

Buchtipp

Wenn Sie sich näher über das Thema der Führung im digitalen Zeitalter informieren möchten, empfehlen wir Ihnen das neu erschienene Buch von Michael Lorenz Digitale Führungskompetenz.

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Über den Autor

Jessica Drescher

Jessica Drescher ist Psychologin (M.Sc.) und Junior-Beraterin. Seit Anfang 2016 ist sie bei der grow.up. Managementberatung beschäftigt. Ihr Werdegang hat sie über die Ausbildung als Gestaltungstechnische Assistentin hin zum Psychologie-Studium geführt. Unter dem Dach der Arbeits- und Organisationspychologie liegt ihr Schwerpunkt dabei im Bereich der Personalpsychologie mit Integration gesundheitspsychologischer Aspekte.

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