Potenzialerkennung bei Experten – Teil 1/3: Was zeichnet Fachexperten eigentlich aus?

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In Zeiten zunehmender Globalisierung, sich verschärfenden Wettbewerbs, gesteigerter Kundenerwartungen und immer komplexer werdender Dienstleistungen und Produkte wird „Wissen“ für Ihr Unternehmen zunehmend zum strategischen Erfolgsfaktor. Mit Informationen, die auf dem Markt käuflich erworben werden können, können Sie jedoch keinen dauerhaften Erfolg erzielen.

Weisheiten, im Sinne von erlebter und über Jahrzehnte weitergegebener Erfahrung – auf der anderen Seite – sind äußerst selten und meist unbezahlbar. Deshalb heißt der Schlüssel zum Erfolg „Wissen“. Vor diesem Hintergrund gewinnen die Träger dieses Wissens, die sogenannten Fachexperten, durch ihr Know-how und ihre Fähigkeit, dieses Wissen aktiv in die betrieblichen Aufgaben, Prozesse und Projekte einzubringen, mehr und mehr an Bedeutung.


Teil 2 – Anforderungen an Fachexperten
Teil 3 – Methoden zur Ermittlung von Expertenanforderungen

Wie viele Unternehmen haben Sie es sich daher zum Ziel gesetzt, diese erfolgskritische Mitarbeitergruppe gezielt zu fördern und zu binden. Am Anfang jedes Förderprogramms steht dabei die Identifikation jener Mitarbeiter, die zum unternehmensspezifischen Wissen einen wesentlichen Beitrag leisten. Um jedoch eine solche Einschätzung vornehmen zu können, muss Ihnen als Personaler oder Führungskraft klar sein, wonach Sie überhaupt suchen. Dieser Frage, der Frage nach den Anforderungen, die unternehmensseitig an die Mitarbeitergruppe der Fachexperten gestellt werden, wollen wir in diesem Beitrag nachgehen.

Was zeichnet einen Fachexperten eigentlich aus?

Stellt man Ihnen dieselbe Frage in Bezug auf eine Führungskraft, so ist Ihre Antwort wahrscheinlich eindeutig: Führungsstärke, Durchsetzungsfähigkeit, Kommunikations- und Verhandlungsgeschick, hohe Leistungs- und Ergebnisorientierung, hohe Markt- und Kundenorientierung, aktive Gestaltung von Prozessen und Veränderungen, um nur einige zu nennen. Die Antwort auf die Frage „Was zeichnet eigentlich einen Fachexperten aus?“ fällt oft sehr viel schwerer und wird weit weniger eindeutig ausfallen.

Fachexperten sind in der Regel Mitarbeiter, die fachlich inhaltlich tief arbeiten möchten, aber keine Führungsverantwortung übernehmen wollen. Daher lautet die Antwort auf die obige Frage oft nur: „Sein Wissen“. Ganz so einfach ist es allerdings nicht. So spielt beispielsweise der Bereich, in dem der Experte das Wissen hat, eine entscheidende Rolle. Er muss sein Wissen in einem für das Unternehmen (strategisch) bedeutsamen Bereich haben. Dieses Wissen ist nicht oder nur sehr schwer und zu einem sehr hohen Preis von außen hinzu zu kaufen. Sie erinnern sich: Weisheiten sind meist unbezahlbar.

In welchen Ihrer Unternehmensbereiche die wirklichen Fachexperten zu finden sind, hängt demnach stark von der Expertise bzw. dem Alleinstellungsmerkmal des Unternehmens ab. Nehmen wir das Beispiel eines Flughafenbetreibers. Hier sind Experten in jenen Bereichen des Unternehmens zu finden, die flughafenspezifisches Wissen verlangen, wie z. B. die Flugsicherheit oder der Bodenverkehr. In einem weltweit führenden Chemie- und Pharmakonzern sind es hingegen die Wissenschaftler, die täglich an der Entwicklung neuer Medikamente forschen.

Aber auch die Antwort „Wissen in einem für das Unternehmen (strategisch) bedeutsamen Bereich“ greift noch zu kurz. Denn: Das Wissen alleine macht einen Mitarbeiter noch nicht zum Experten. Was aber macht ihn zum Fachexperten? Lassen Sie uns hierfür einen kurzen Blick in die Wissenschaft werfen. Den Ergebnissen der Expertiseforschung zufolge, zeichnet sich ein Experte neben seinem strukturierten, stark vernetzten, leicht abrufbaren und hoch anwendungsorientierten Wissen, der Fähigkeit, komplexe Informationen parallel zu verarbeiten, einer höheren Problemlösekompetenz und Entscheidungsgeschwindigkeit sowie einer höheren Selbstreflexion auch durch die Bereitschaft aus, sein Expertenwissen an andere weiterzugeben. Der soziologische Ansatz der Expertiseforschung geht überdies noch einen Schritt weiter. Hiernach qualifiziert sich eine Person als Fachexperte durch ihre Fähigkeit, andere davon zu überzeugen, dass sie im Besitz solcher Kompetenzen ist. Das Verständnis von Expertise und damit des (Fach-)Experten geht also weit über das reine Fachwissen hinaus. Dessen sollten Sie sich als Führungskraft oder Personaler stets bewusst sein, wenn Sie die Fachexperten in Ihrem Unternehmen identifizieren wollen.


Nachdem Sie nun ein besseres Verständnis entwickeln können, was einen Fachexperten auszeichnet, widmen wir uns im zweiten Teil der Reihe „Potenzialerkennung bei Experten“ der Frage:

Welche Anforderungen – neben der Fachlichkeit – werden von Unternehmen an Fachexperten gestellt?

Über den Autor

Nora Haager

Nora Haager, seit 2014 Beraterin, Trainerin und systemischer Coach bei der grow.up. Managementberatung GmbH, ist studierte Psychologin (M.Sc.) mit den Schwerpunkten Wirtschafts- und Personalpsychologie. Vor grow.up. war sie in der Personal- und Führungskräfteentwicklung bei der Fraport AG sowie der internationalen Führungskräfteentwicklung bei der Porsche AG tätig. Darüber hinaus arbeitete sie bereits während ihrer Studienzeit als freiberufliche Trainerin und Coach.

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