Smart-Talk für Businessfrauen – Sie müssen nicht über Fußball reden!

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Ich bin in einer fußballvernarrten Familie aufgewachsen. Gespräche über die Bundesliga, über Spieler der Nationalelf und über die Rivalitäten von Revier-Derbys standen bei uns zu Hause so gut wie auf der Tagesordnung. Das wirkt bis heute: Geben Sie mir ein Stichwort, und ich lege los. In Pausen auf Kongressen hat mir das schon so manches Mal die Türen geöffnet, wenn ich zum Beispiel mit vier mir unbekannten Männern um einen Stehtisch stand: Ein Fußballereignis als Anknüpfungspunkt – und schon ist man im Gespräch. Von vielen Frauen werde ich darum beneidet. Denn sie tun sich, insbesondere was den Small Talk mit Männern anbelangt, zum Großteil sehr schwer. Die Fragen, die ihnen zu schaffen machen: Was zum Kuckuck soll man bei beruflichen Anlässen oder bei Begegnungen in der Teeküche des Unternehmens fernab des fachlichen Themas mit männlichen Kollegen und Kunden reden? Über Fußball? Aber was, wenn man davon keine Ahnung hat …?

Keine zu hohen Ansprüche stellen

Keine Angst, als Frau im Business müssen Sie jetzt nicht die Bundesliga-Tabellen studieren, um künftig mitreden zu können. Auch müssen Sie sich generell nicht mit Fußball befassen. Sie müssen überhaupt nichts! Small Talk soll schließlich die Beziehung aufbauen und Spaß bereiten. Sich Druck damit zu machen, ist völlig fehl am Platz. Denn was ist das Ergebnis? Völlig verkrampfte Gesprächssituationen, bei denen man sich erst recht unwohl fühlt. Meine oberste Empfehlung daher: Stellen Sie keine zu hohen Ansprüche an den Plausch im Business. Menschen – Männer wie Frauen – betreiben Small Talk, um sich zu entspannen. Es geht schlicht nur um einen Anfang, um Kontakte zu knüpfen oder um ein gutes Gesprächsklima für weitere Kommunikation zu schaffen. Hierarchien spielen hier endlich mal keine Rolle. Und negative Gedanken wie „Ich bin es nicht wert, dass man mit mir redet“ können Sie getrost zur Seite stellen. Malen Sie sich den Worst Case aus: Was kann schlimmstenfalls passieren? Und stellen Sie sich dann einfach vor, wie Sie lächelnd und souverän auf das Verhalten Ihres (männlichen) Gegenübers reagieren. Das nimmt Ihnen die Angst!

Seien Sie neugierig auf Ihr Gegenüber

Bleibt immer noch die Frage offen, was Sie reden sollen. Besinnen Sie sich am besten auf Ihre natürliche Neugier: Small Talk lebt vom Interesse am Gegenüber. Das darf natürlich nicht aufdringlich oder plump daherkommen. Den anderen auszufragen, ist keine gute Idee. Doch in den meisten Fällen wird das auch gar nicht nötig sein. Probieren Sie es doch damit: Sie beginnen das Gespräch mit einer Frage und lassen den anderen einfach reden. Ich garantiere: Er wird Sie als angenehmen Gesprächspartner in Erinnerung behalten.

Stellen Sie keine geschlossenen Fragen

Geschlossenen Fragen funktionieren für die eben gegebene Empfehlung freilich nicht besonders gut. Denn mit einer Frage wie „Gefällt Ihnen die Veranstaltung?“ oder „Sind Sie auch mit der Bahn angereist?“ laden Sie Ihr Gegenüber ein, nur mit einem Wort oder einer kurzen Phrase zu antworten. „Gut“ …. „Nein“… und schon ist das Gespräch wieder beendet. Anders ist es mit offenen Fragen, sie fordern zum Erzählen auf. „Was nehmen Sie aus dem letzten Vortrag für Erkenntnisse mit?“, „Was erhoffen Sie sich von der Veranstaltung?“ oder „Was war denn Ihre schlimmste Erfahrung mit dem Bahnverkehr bislang?“ sind somit die besseren Fragen, mit denen Sie erreichen, dass der andere etwas von sich erzählt.

Versuchen Sie es mit dem „Komplimente-Trick“

Für viele stellt es jedoch eine Herausforderung dar, direkt eine Frage zu stellen. Schließlich kennt man den anderen ja gar nicht… Mit dem Komplimente-Trick können Sie etwas über die Interessen und Vorlieben Ihres Gegenübers herausfinden. Beispiel: „Ihre Krawatte finde ich sehr geschmackvoll. Das Muster erinnert mich an Fernost. Verbindet Sie etwas Besonderes mit Asien?“

Wenn Sie den anderen loben – nicht plump, sondern indirekt in eine Frage verpackt – kommt das in der Regel gut an und führt dazu, dass Sie etwas über die Interessen des anderen erfahren. Dieser bestätigt seine Verbundenheit mit Asien? Wunderbar, sie haben ein Gesprächsthema. Verneint er Ihre Frage, ist das auch nicht schlimm, denn sie können ganz leicht anknüpfen: Die Themen Mentalität anderer Landsleute oder auch Urlaub liegen ganz nah.

Der „Standort-Trick“

Gut beim Small Talk ist immer, wenn Sie Gemeinsamkeiten finden. Wie erreichen Sie das? Eine Gemeinsamkeit, auf die Sie immer zurückgreifen können, sind Ort, Umfeld und der Anlass, der Sie zusammengebracht hat. Nichts liegt daher näher, als das Ereignis, an dem Sie beide teilnehmen, zum Gesprächsthema zu wählen. Da findet sich immer etwas. Wenn es nicht das Essen ist – die leckere Suppe, die Verzierung auf dem Dessert, das tolle Buffet insgesamt … –, können Sie sogar das Licht im Raum thematisieren. Nach einer Frage wie „Finden Sie nicht auch, dass die Beleuchtung hier ein wenig kalt ist?“ müssen Sie sich ja nicht ausgiebig über Lichtkonzepte austauschen. Hauptsache ist, Interesse am Small Talk signalisiert zu haben und überhaupt erst mal ins Gespräch zu kommen.

Nicht spiegeln

Die Frage „Finden Sie nicht auch, dass die Beleuchtung hier ein wenig kalt ist?“ könnte natürlich auch Ihnen gestellt werden. Tappen Sie jetzt nicht in die sogenannte Spiegel-Falle: Aus dem Bedürfnis heraus, gemocht zu werden, stimmen wir häufig unbedacht zu – „Ja, Sie haben völlig recht mit der Beleuchtung!“, „Das ist mir auch schon aufgefallen“ oder ähnlich – und nehmen uns die Chance auf einen smarten Talk. Trauen Sie sich ruhig zu, etwas kreativer zu werden. Beispiel: „Das Licht erinnert mich an die Beleuchtung der Turnhalle in meiner Grundschule. Ich glaube, in diesen Turnhallen war das Licht generell so kalt. Können Sie sich daran auch noch erinnern?“ Denken Sie aber nicht sogleich „Mein Gott, was rede ich denn da?“ Nehmen Sie es spielerisch und bringen Sie Ihren inneren Kritiker zum Schweigen. Gespräch läuft? Dann ist doch alles gut!

Small Talk üben

Vielleicht finden Sie die Tipps ganz charmant. Aber … insgeheim wissen Sie, dass Sie für jede Situation dankbar sind, in der Sie sie nicht anwenden müssen. Ertappt? Nicht schlimm. Es ist ganz normal, dass wir meiden, was uns unangenehm ist. Ich möchte Sie dennoch ermuntern, Small Talk Situationen zu suchen und den mühelosen Plausch zu üben. Nutzen Sie Gelegenheiten im Alltag, um mit anderen Menschen ins Gespräch zu kommen. Aus Erfahrung mit vielen Trainingsteilnehmern weiß ich zudem: Bewährt haben sich auch Rollenspiele. Probieren Sie es einfach mal aus. Auch wenn der Spruch abgenutzt ist, er stimmt: Übung macht die Meisterin!


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Über den Autor

Andrea Osthoff

Andrea Osthoff ist Associate Partner der grow.up. Managementberatung und als Trainerin, Beraterin und Coach im Einsatz. Bevor sie zu grow.up. kam, war sie Führungskraft im HR-Bereich und hat in Recruiting, Personalentwicklung und Change Management gearbeitet.

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