Netzwerken? Das brauch‘ ich doch nicht! – Vielleicht doch… Teil 2/3: Möglichkeiten der Netzwerkpflege

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Welche Möglichkeiten des Netzwerkens gibt es?

Nachfolgend möchten wir Ihnen eine Auswahl an gängigen und effektiven Methoden zur Pflege des eigenen Netzwerks vorstellen.

Networking-Roulette

Eine einfache und sehr wirkungsvolle Methode, das interne Netzwerk zu unterstützen, ist das zufällige Zusammensetzen verschiedener Mitarbeiter. Falls Sie in Ihrem Unternehmen eine Kantine haben, bietet sich das „Networking-Roulette“ als kostengünstige und effektive Methode an, den Austausch der Mitarbeiter untereinander zu fördern. Hierbei werden die teilnehmenden Mitarbeiter zufällig anderen Kollegen für ein gemeinsames Mittagessen zugeordnet. Der informelle Charakter der Mittagspause erleichtert auch eher zurückhaltenden Menschen den Einstieg ins Netzwerken.


Teil 1 – Wann ist Netzwerken wichtig?
Teil 3 – 7 Tipps für erfolgreiches Netzwerken

Kaminabende

Bei der Methode „Kaminabende“ geht es darum, Abende oder kleine Events zu organisieren, in deren Rahmen man sich in ungezwungener Atmosphäre austauschen kann. Diese Methode ist etwas formeller und aufwändiger als das Networking-Roulette. Kaminabende sind eine gute Gelegenheit, um hierarchisch höhere Ebenen mit dem aufstrebendem Nachwuchs und den Talenten des Unternehmens zusammenkommen zu lassen. Erfahrungen, Meinungen und kreative Ideen können miteinander ausgetauscht werden, was zu einer Win-Win Situation für alle Teilnehmer führt.

Mentoring

Mentoring ist ein Überbegriff, der eine besondere Beziehung zwischen zwei Personen beschreibt, bei der es um das Vermitteln von Wissen, vor allem aber von Berufs- und Lebenserfahrung geht. Mit diesem Ziel treffen sich ein erfahrener Mentor und ein weniger erfahrener Mentee. Bei einem Inhouse-Mentoring unterstützt ein unternehmensinterner Mentor einen internen Mentee und versucht, dem in der Regel jüngeren Kollegen Hintergrundwissen zu Prozessen, Strukturen, Netzwerken etc. aufzuzeigen. Beim sogenannten Cross-Mentoring übernimmt ein Unternehmensexterner die Rolle des Mentors. Meistens tauschen zwei verbundene Unternehmen ihre Mentoren und Mentees aus, um so unternehmensübergreifend voneinander zu lernen und den Horizont der teilnehmenden Mitarbeiter zu erweitern. Cross-Mentoring ist die aufwändigere Methode des Mentorings, vielleicht aber auch die reizvollere von beiden, da der Mentee Einblicke in ein fremdes Unternehmen erhält.

Bildungs- und Qualifizierungsveranstaltungen

Kollegiales Lernen ist eine Methode, bei der Kollegen aus verschiedenen hierarchischen Ebenen und Bereichen zusammenkommen, um gemeinsam Themen aus dem Arbeitsalltag (die sogenannten „Fälle“) zu besprechen, unterschiedliche Sichtweisen einzubringen und gemeinsam Lösungen zu erarbeiten. Erfahrungsgemäß wächst schnell das gegenseitige Vertrauen in den kollegialen Gruppen und sehr stabile Netzwerke entstehen, die oft über Jahre hinweg halten.

Bildungs- und Qualifizierungsmaßnahmen

Bildungs- und Qualifizierungsmaßnahmen bieten den Teilnehmern die Möglichkeit, neue Fähigkeiten, Fertigkeiten oder Systeme zu erlernen. Mitarbeiter können in diesem Rahmen gut auf schwierige Situationen vorbereitet werden. Darüber hinaus fördern diese Maßnahmen die Zusammenarbeit mit neuen oder unterschiedlichen Bereichen. So können z.B. Einblicke in andere Abteilungen und deren Arbeitsweise gewonnen werden. Die Mitarbeiter können so ihr persönliches Netzwerk weiter ausbauen.

Austausch zwischen Abteilungen

Ein ähnliches Ziel verfolgt ein Austausch von Mitarbeitern (auch „job rotation“ genannt) unterschiedlicher Teams/Abteilungen/Bereiche. Mitarbeiter tauschen für einen begrenzten Zeitraum ihre Aufgabenbereiche miteinander. So lernen sie die verschiedenen Unternehmensbereiche besser kennen und können Prozesse anderer Abteilungen leichter nachvollziehen. Persönlich erweitert der jeweilige Mitarbeiter sein Wissen und gleichzeitig sein individuelles Netzwerk. In der Praxis werden job rotations nicht so oft praktiziert. So wertvoll diese Methodik ist, der Austausch bedarf meist einer gewissen Einarbeitungsphase und sollte daher nicht zu kurz geplant sein (Minimum 4 Wochen).

Expertenrunde

Zur Expertenrunde lädt man unternehmensübergreifend Experten eines oder verschiedener Gebiete ein, um sich gemeinsam über aktuelle Fragestellungen und wichtige Themen auszutauschen. Der gemeinsamen Diskussion geht in der Regel ein Expertenvortrag voraus, der das Treffen eröffnet. Der Wissensaustausch und die Horizonterweiterung stehen bei diesem Format im Vordergrund, doch lassen sich über die beruflichen Themen schnell neue Kontakte knüpfen. Doch Vorsicht, Exerten-Honorare fallen mitunter hoch aus, so dass es klug ist, Expertenrunden im Unternehmensverbund zu veranstalten.

Alumni

Der Begriff „Alumni“ bezog sich ursprünglich auf die Absolventen einer Bildungseinrichtung. Heute beschreibt er auch ehemalige Mitarbeiter eines Unternehmens. Die meisten größeren Unternehmen haben ein breites Netz aufgebaut, um mit ihren Alumni in Verbindung zu bleiben. Es ist für beide Seiten von Vorteil, in Verbindung zu bleiben. Schließlich haben die CEOs von morgen auch einmal als Praktikanten oder junge Berufseinsteiger angefangen. Der Aufbau und die Pflege eines Alumni-Netzwerks ist zeitintensiv und kann kostspielig sein. Da es meistens auch den Alumni wichtig ist, miteinander und mit dem Unternehmen in Verbindung zu bleiben, tragen die sogenannten „Alumni-Vereine“ gerne einen Teil dieser Arbeit.

Tagungen

Tagungen beschreiben unterschiedliche Aktivitäten, deren Ziel es ist, die Zusammenarbeit zu fördern und Wissen oder Ideen zu kreieren. Man kann dabei an die jährliche Weihnachtsfeier, das Seminar im Ausland, die Kanutour mit den unterschiedlichen Abteilungen u. ä. denken. Die internen und informelleren Events bieten eine hervorragende Möglichkeit, sich in entspannter und angenehmer Atmosphäre mit anderen auszutauschen und das eigene Netzwerk zu pflegen. Formellere Veranstaltungen wie Messen, organisierte Tagungen für mehrere Unternehmen oder auch der Besuch in anderen Unternehmen oder einer Hochschule unterliegen häufig einem Verhaltenscodex, den man beachten sollte und der einem ein „ungezwungenes“ Netzwerken erschweren kann. Mit einer guten Kombination aus fachlich interessanten und außer-fachlichen Themen, sollte es Ihnen gelingen, bei Ihrem Gegenüber einen guten und bleibenden Eindruck zu hinterlassen.

Soziale Netzwerke

Soziale Netzwerke sind aus der heutigen Welt nicht mehr wegzudenken. Die wohl bekannteste Plattform, „Facebook“, wird von rund 800 Millionen Menschen weltweit genutzt, und auch andere Varianten wie „LinkedIn“ oder „Xing“ wachsen stetig. Die meist kostenlosen Profile sind individuell gestaltbar und erleichtern durch viele Unterstützungsfunktionen, z.B. Geburtstagserinnerungen, Einladungen in Gruppen, das Netzwerken. Sie sollten sich jedoch, bevor Sie sich einem sozialen Netzwerk anschließen, mit den entsprechenden Richtlinien und ihrer Bedienung auseinandersetzen, um das für Sie richtige Netzwerk zu wählen.

In Teil 3/3 unserer Reihe zur Bedeutung des Netzwerkens finden Sie abschließend 7 Tipps, mit denen Sie in Zukunft noch erfolgreicher netzwerken.

Über den Autor

Michael Lorenz

Michael Lorenz ist Gesellschafter und Geschäftsführer der grow.up. Managementberatung. Er arbeitet in seiner Funktion als Managementberater, Trainer und Coach. Vorher war er Geschäftsführer und Partner der Kienbaum Management Consultants GmbH und leitete den Geschäftsbereich Human Resources Management. Seit 1988 berät Michael Lorenz nationale und internationale Kunden in Fragen der Strategie, der Personalentwicklung und der Management-Diagnostik.

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